Spoonangeln auf Forelle: Warum Spoons noch lange nicht tot sind.

Spoonangeln auf Forelle: Warum Spoons noch lange nicht tot sind

In letzter Zeit begegnet mir immer häufiger die Aussage, Spoonangeln sei eigentlich durch, die moderne Forellenangelei habe sich längst in Richtung Gummiköder entwickelt und wer heute noch ernsthaft am Forellensee unterwegs sei, fische eben Gummi. Ich finde diese Diskussion ehrlich gesagt etwas merkwürdig, denn sie unterstellt, dass Spoon und Gummiköder zwei verschiedene Generationen derselben Sache wären. So nach dem Motto: Früher Nokia, heute Smartphone. Früher Spoon, heute Gummi.

Nur funktioniert das beim Angeln nicht so.

Ein Gummiköder ist für mich keine modernere Version eines Spoons und ein Spoon keine altmodische Alternative zum Gummi. Es sind zwei unterschiedliche Köderarten mit teilweise völlig unterschiedlichen Möglichkeiten der Präsentation. Natürlich gibt es Überschneidungen, aber gerade diese Unterschiede machen beide für mich interessant. Deshalb würde ich auch niemals auf die Idee kommen, mich grundsätzlich für eine Seite entscheiden zu wollen. Warum sollte ich freiwillig Möglichkeiten aus meiner Angelei streichen?

Ich glaube ohnehin, dass wir Angler manchmal eine erstaunliche Begabung dafür haben, aus einfachen Dingen Glaubensfragen zu machen. Geflochtene oder monofile Schnur, Naturköder oder Kunstköder, Spoon oder Gummi – irgendwann fehlen eigentlich nur noch verschiedene Trikotfarben und getrennte Fanblöcke am Forellensee.

Mich interessiert etwas ganz anderes:

Welcher Köder löst in der Situation, die ich gerade vor mir habe, mein Problem?

Und genau an diesem Punkt wird Spoonangeln für mich interessant.


Ein Spoon ist eben nicht nur ein Stück buntes Blech.

Natürlich kann ich einen Spoon auswerfen, die Rolle kurbeln und darauf warten, dass unterwegs irgendetwas passiert. Das funktioniert sogar manchmal erstaunlich gut. Mit dem eigentlichen Potenzial dieser Angeltechnik hat das für mich aber nur wenig zu tun.

Ein Spoon reagiert unmittelbar darauf, wie ich ihn führe. Schon kleine Veränderungen der Geschwindigkeit können seinen Lauf deutlich verändern. Dazu kommen Form, Gewicht, Wölbung und Größe. Ein breiterer Spoon, der bereits bei niedriger Geschwindigkeit kräftig arbeitet und deutlich flankend läuft, verhält sich vollkommen anders als ein schmaleres Modell, das auch bei höherem Tempo noch kontrolliert und stabil läuft. Genau deshalb ergibt es für mich wenig Sinn, Spoons nur nach Farbe oder Gewicht zu unterscheiden.

Ich möchte wissen, was mein Köder im Wasser macht und warum ich genau dieses Verhalten gerade haben möchte.

Das Gewicht entscheidet beispielsweise längst nicht nur darüber, ob ich fünf Meter weiter werfen kann. Es beeinflusst, wie schnell ich eine bestimmte Wasserschicht erreiche und mit welcher Geschwindigkeit ich dort noch kontrolliert fischen kann. Mit einem leichteren Spoon kann ich in vielen Situationen relativ langsam oberflächennah arbeiten, ohne dass der Köder sofort aus der gewünschten Zone verschwindet. Möchte ich tiefer fischen, größere Distanzen erreichen oder habe ich Wind, kann ein höheres Gewicht sinnvoll werden.

Die Form wiederum verändert das gesamte Reizbild. Wasserverdrängung, Silhouette, Flanken, Reflexion und die Geschwindigkeit, bei der ein Spoon sauber arbeitet, hängen unmittelbar damit zusammen. Wenn ich diese Dinge verstehe, wird aus dem berühmten „bunten Blech“ plötzlich ein ziemlich präzises Werkzeug.

Und genau deshalb betrachte ich Spoonangeln als eigene Angeltechnik.

Für mich beginnt das eigentliche Angeln häufig hinter dem Köder.

Besonders spannend wird es, wenn eine Forelle meinem Spoon folgt, aber nicht zupackt. Früher hätte ich mich darüber wahrscheinlich einfach geärgert. Heute interessiert mich ein solcher Nachläufer fast genauso sehr wie ein Biss, denn der Fisch hat mir bereits eine ganze Menge verraten.

Wenn eine Forelle mehrere Meter hinter meinem Köder herkommt, kann der Spoon schließlich nicht vollkommen uninteressant gewesen sein. Irgendetwas hat den Fisch dazu gebracht, Energie aufzuwenden und den Köder zu verfolgen. Vielleicht war es die Bewegung, vielleicht die Silhouette, möglicherweise die Geschwindigkeit oder der Kontrast. Trotzdem hat am Ende etwas gefehlt, damit aus Interesse tatsächlich ein Angriff wird.

Und genau jetzt möchte ich nicht hektisch die Köderbox aufreißen und anfangen, wahllos Farben durchzuwechseln. Ich schaue zunächst darauf, wie der Fisch reagiert hat. Wie groß war der Abstand zum Spoon? Kam er schnell heran? Blieb er über mehrere Meter dahinter? Drehte er früh ab oder folgte er bis unmittelbar vor meine Füße?

Aus solchen Beobachtungen entsteht für mich die nächste Entscheidung. Vielleicht verändere ich nur die Geschwindigkeit, vielleicht das Gewicht oder die Spoonform. Vielleicht brauche ich einen aggressiveren Lauf, möglicherweise aber auch genau das Gegenteil.

Und manchmal komme ich zu dem Ergebnis, dass ich gar keinen anderen Spoon brauche.Dann brauche ich einen anderen Ködertyp.

Dann kommt der Gummiköder ins Spiel.

Gummi ersetzt den Spoon nicht – es erweitert meine Möglichkeiten.

Der große Vorteil eines Gummiköders besteht für mich darin, dass ich eine vollkommen andere Präsentation anbieten kann. Ich kann wesentlich langsamer werden, den Köder absinken lassen, ihn über Grund führen, jiggen, zittern lassen oder mit Pausen arbeiten. Je nach Material, Form und Montage kann ein Gummiköder sinken oder auftreiben und dadurch Bereiche des Gewässers sehr intensiv bearbeiten.

Das ist etwas anderes als Spoonangeln und genau deshalb ergänzt es sich so gut.

Nehmen wir eine Situation, die vermutlich jeder kennt: Ich bekomme mit meinem Spoon mehrere Nachläufer. Die Forellen zeigen eindeutig Interesse, nehmen den Köder aber nicht. Jetzt beginnt gerne das große Durchprobieren. Erst Gold, dann Pink, anschließend Chartreuse, vielleicht Schwarz und danach irgendeine Farbe, die im Laden so aussah, als hätte jemand einen Textmarker mit einer Weihnachtsbaumkugel gekreuzt.

Kann funktionieren.

Muss aber nicht.

Denn vielleicht war die Farbe überhaupt nicht das Problem.

Vielleicht möchten die Forellen gerade keinen Köder, der kontinuierlich an ihnen vorbeiläuft. Vielleicht wollen sie etwas Langsameres, vielleicht eine Absinkphase oder einen Köder, der länger in ihrem Sichtbereich bleibt. Wenn ich jetzt auf einen Gummiköder wechsle, verändere ich nicht einfach nur eine Farbe oder eine Kleinigkeit am Reizbild, sondern ich ändere meine komplette Präsentation.

Nimmt eine Forelle anschließend den Gummiköder, bedeutet das für mich übrigens nicht, dass der Spoon vorher versagt hat. Im Gegenteil: Der Spoon hat mir möglicherweise überhaupt erst gezeigt, dass dort Fische stehen und dass sie grundsätzlich auf einen Köder reagieren. Ich habe lediglich die Information genutzt und anschließend das Werkzeug gewechselt.

Für mich ist genau das wesentlich interessanter, als zwanzig verschiedene Köder durch das Wasser zu werfen und irgendwann zufällig mit Nummer siebzehn einen Fisch zu fangen.


Der Spoon ist für mich häufig derjenige, der zunächst einmal Fragen stellt.

Wenn ich morgens an einen Forellensee komme, weiß ich zunächst nicht besonders viel darüber, was mich an diesem Tag erwartet. Natürlich beobachte ich das Wasser, achte auf Wind, Licht, sichtbare Fische und mögliche Standplätze, aber trotzdem bleiben zunächst viele Fragen offen. Stehen die Forellen hoch, bewegen sie sich durchs Mittelwasser oder halten sie sich tiefer auf? Sind sie aktiv unterwegs oder stehen sie relativ passiv? Reagieren sie auf Geschwindigkeit und deutliche Reize oder muss ich zurückhaltender werden?

Für diese Phase gefällt mir der Spoon ausgesprochen gut, weil ich damit relativ schnell unterschiedliche Bereiche und Wasserschichten kontrollieren kann. Ich kann Strecke machen, mit verschiedenen Geschwindigkeiten arbeiten und vor allem beobachten, ob ich Reaktionen bekomme. Dabei muss nicht einmal sofort ein Fisch hängen. Schon ein Nachläufer kann mir zeigen, dass ich grundsätzlich auf der richtigen Spur bin.

Das ist für mich eine der großen Stärken des Spoons: Er kann nicht nur Fische fangen, sondern mir helfen, Fische zu finden und ihre Reaktion zu beurteilen.

Habe ich dagegen bereits herausgefunden, wo die Forellen stehen und merke, dass sie zwar reagieren, aber nicht konsequent angreifen, verändert sich meine Aufgabe. Jetzt muss ich nicht mehr unbedingt suchen. Jetzt muss ich möglicherweise einen relativ kleinen Bereich viel intensiver bearbeiten, und genau dann kann ein Gummiköder enorme Vorteile haben.

Deshalb würde ich vereinfacht sagen: Mit dem Spoon kann ich hervorragend suchen und provozieren, mit Gummi kann ich häufig gezielter und langsamer ausarbeiten. Das ist keine in Stein gemeißelte Regel, denn spätestens wenn man beim Forellenangeln eine Regel für unumstößlich erklärt, kommt garantiert irgendeine Forelle vorbei und beweist einem das Gegenteil. Als grundsätzliche Orientierung hilft mir dieser Gedanke aber sehr.


Natürlich funktioniert das Ganze genauso andersherum.

Es wäre jetzt ziemlich widersinnig, ausgerechnet in einem Artikel gegen starre Regeln direkt die nächste starre Regel aufzustellen: morgens immer Spoon, danach Gummi. So ist es natürlich nicht gemeint.

Wenn ich bereits weiß, dass die Forellen tief und relativ stationär stehen, kann der Gummiköder von Anfang an die sinnvollere Entscheidung sein. Warum sollte ich erst eine halbe Stunde lang das Mittelwasser absuchen, wenn mir bereits ziemlich deutlich gezeigt wird, dass dort gerade überhaupt nichts los ist?

Genauso kann ich mit Gummi anfangen und irgendwann feststellen, dass die Fische aktiver werden. Vielleicht bekomme ich Kontakte, vielleicht sehe ich Bewegung im Wasser oder bemerke, dass die Forellen zunehmend auf schneller geführte Köder reagieren. Dann kann ein Spoon mit seinem Lauf, seiner Reflexion und der Möglichkeit, deutlich mehr Strecke zu machen, plötzlich die bessere Antwort sein.

Für mich besteht gutes Forellenangeln deshalb nicht darin, sich morgens für eine Köderart zu entscheiden und diese Entscheidung anschließend acht Stunden lang tapfer zu verteidigen. Ich möchte auf das reagieren können, was mir das Gewässer und vor allem die Fische zeigen.


Woher kommt dann die Behauptung, Spoonangeln sei tot?

Angelmethoden unterliegen Trends, und das war vermutlich schon immer so. Eine bestimmte Technik wird populär, Hersteller entwickeln neue Produkte, auf YouTube und Social Media tauchen immer mehr Videos dazu auf und natürlich beschäftigen sich anschließend auch mehr Angler damit.

Gummiköder haben sich beim modernen Forellenangeln enorm entwickelt und bieten heute fantastische Möglichkeiten. Ich halte diese Entwicklung für absolut positiv. Nur kann ich daraus nicht erkennen, warum dadurch ein Spoon plötzlich schlechter fangen sollte.

Denn bei dieser ganzen Diskussion wird ein Beteiligter gerne vergessen: die Forelle.

Und die interessiert sich herzlich wenig dafür, welcher Köder gerade besonders modern ist.

Eine Forelle verfolgt keine Trends und schaut sich vor dem Frühstück vermutlich auch keine Angelvideos auf YouTube an. Sie reagiert auf das, was wir ihr präsentieren: auf Bewegung, Geschwindigkeit, Druck, Silhouette, Reflexion, Kontrast, Farbe, Tiefe und natürlich darauf, wie sich ein Köder in ihrem unmittelbaren Umfeld verhält.

Wenn ein Spoon in dieser Situation den passenden Reiz erzeugt, wird er Fische fangen. Ob gerade mehr Gummiköder verkauft werden oder irgendein anderer Köder in den sozialen Medien gehypt wird, dürfte der Forelle ziemlich egal sein.


Vielleicht besitzen wir inzwischen einfach zu viel und wissen zu wenig darüber?

Das ist für mich ohnehin der viel spannendere Punkt. Wer heute vor einem gut sortierten Regal mit Forellenködern steht, kann einem fast leidtun. Dort hängen unzählige Spoonformen in verschiedenen Gewichten und einer Farbenpracht, gegen die manche Karnevalsveranstaltung ausgesprochen zurückhaltend wirkt. Gleich daneben kommen die Gummiköder in verschiedenen Größen, Formen, Materialien und Farben.

Und irgendwo davor steht der Angler mit einem Körbchen in der Hand und möchte eigentlich nur wissen: Was davon brauche ich denn nun?

Genau diese Frage möchte ich in Zukunft viel stärker in den Mittelpunkt stellen.

Denn meiner Meinung nach brauchen wir nicht unbedingt noch mehr Köder. Wir brauchen vor allem bessere Entscheidungen.

Ich möchte wissen, warum ich in einer bestimmten Situation eine bestimmte Spoonform auswähle. Ich möchte verstehen, welches Gewicht zu meiner gewünschten Lauftiefe und Geschwindigkeit passt und warum ich bei bestimmten Licht- und Sichtverhältnissen eine bestimmte Farbe bevorzuge. Und genauso möchte ich erkennen können, wann es keinen Sinn mehr ergibt, weitere fünf Spoons durchzuwechseln, weil das Verhalten der Forellen mir längst zeigt, dass eine völlig andere Präsentation sinnvoller wäre.

Dann wird aus einer Sammlung von Ködern nämlich irgendwann ein System.

Und genau das ist für mich modernes Forellenangeln.


Spoon oder Gummi? Ich möchte mich gar nicht entscheiden.

Deshalb halte ich die Frage, ob Spoon oder Gummiköder besser ist, letztlich für falsch gestellt. Wenn ich ein Gewässer absuchen, unterschiedliche Wasserschichten kontrollieren, Strecke machen und herausfinden möchte, wie aktive Forellen auf Geschwindigkeit, Lauf und Reflexion reagieren, greife ich ausgesprochen gerne zum Spoon. Weiß ich dagegen bereits, wo sich die Fische befinden, möchte das Tempo deutlich reduzieren oder einen bestimmten Bereich sehr intensiv bearbeiten, kann der Gummiköder seine besonderen Stärken ausspielen.

Manchmal zeigt mir der Spoon den Fisch und der Gummiköder bringt anschließend den Biss. An einem anderen Tag passiert genau das Gegenteil. Und gelegentlich funktioniert weder das eine noch das andere so, wie ich mir das am Frühstückstisch noch wunderschön zurechtgelegt hatte.

Das ist dann kein Fehler im System.

Das ist Forellenangeln.

Genau deshalb möchte ich beide Möglichkeiten haben und genau deshalb halte ich auch nichts von der Behauptung, Spoonangeln sei tot. Der Spoon ist für mich nach wie vor ein hervorragendes Werkzeug, aber eben nicht für jede Situation. Genauso wenig ist der Gummiköder die Antwort auf jede Frage.

Entscheidend ist nicht, welcher Köder gerade modern ist oder von wem er am lautesten beworben wird. Entscheidend ist, ob ich verstehe, was gerade vor mir im Wasser passiert, und daraus die richtige Entscheidung ableite.

Und wenn mir am Wasser trotzdem jemand erzählt, Spoonangeln sei tot, darf er das natürlich gerne tun.

Während wir darüber diskutieren, mache ich einfach noch einen Wurf.

All times- tight lines

Euer Klaus

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