Welche Schnur zum Spoonangeln? Mono, Geflecht, Fluorocarbon oder Ester?

Wenn du mit dem Spoonangeln anfangen möchtest, könnte die Sache eigentlich ziemlich einfach sein.

Rute, Rolle, Schnur, kleiner Einhänger, Spoon – los geht’s.

Könnte.

Denn spätestens bei der Schnur wird es plötzlich kompliziert. Der eine schwört auf Geflecht, der nächste fischt nur Mono und wenn du dich ein bisschen intensiver mit Trout Area beschäftigst, taucht irgendwann auch noch Ester auf.

Und Fluorocarbon gibt es natürlich ebenfalls.

Spätestens jetzt fragt man sich:

Leute, ich will doch eigentlich nur einen kleinen Blechköder durchs Wasser ziehen. Welche Schnur soll ich denn nun nehmen?

Genau deshalb möchte ich die Sache einmal möglichst einfach auseinandernehmen.

Denn vorweg: Die eine perfekte Schnur zum Spoonangeln gibt es nicht.

Mono, Geflecht, Fluorocarbon und Ester haben unterschiedliche Eigenschaften. Und deshalb interessiert mich weniger, welche davon angeblich die „beste“ ist.

Mich interessiert:

Was möchte ich damit machen?


Monofile Schnur – einfach anfangen

Wenn mich jemand fragt:

„Ich möchte mit dem Spoonangeln anfangen. Welche Schnur soll ich nehmen?“

dann würde ich ihm nicht als Erstes einen Vortrag über Schnurmaterialien halten.

Ich würde wahrscheinlich sagen:

Nimm eine vernünftige Mono, spul sie auf und geh angeln.

Warum?

Weil es funktioniert.

Du brauchst kein zusätzliches Vorfach, keinen Verbindungsknoten und musst dir zunächst auch keine Gedanken darüber machen, ob PE, Ester oder sonst irgendetwas besser zu deinem 1,4-Gramm-Spoon passt.

Mono auf die Rolle, Snap anknoten, Spoon einhängen.

Fertig.

Und Mono hat beim Forellenangeln noch eine Eigenschaft, die durchaus angenehm sein kann: Sie dehnt sich.

Eine gehakte Forelle steht ja nun nicht unbedingt brav im Wasser und wartet darauf, dass wir sie zum Kescher führen. Sie schüttelt den Kopf, wechselt die Richtung und springt im schlechtesten Moment aus dem Wasser.

Die Schnur federt davon einiges ab.

Natürlich hat genau diese Dehnung auch eine Kehrseite. Was sie beim Drill abfedert, kommt eben auch beim Köderkontakt nicht ganz so direkt bei mir an.


Wenn ich wissen möchte, was mein kleiner Spoon da draußen gerade veranstaltet, gibt es direktere Möglichkeiten.

Und damit wären wir beim Geflecht.

Geflecht – plötzlich wird alles direkter

Der große Unterschied merkt sich ziemlich einfach:

Mono dehnt sich deutlich. Geflecht fast nicht.

Und das spürt man.

Ich bekomme wesentlich direkter mit, was am anderen Ende meiner Schnur passiert.

Ein Kontakt am Köder, eine Veränderung im Lauf oder ein vorsichtiger Biss können wesentlich unmittelbarer ankommen.

Das gefällt mir.

Aber wie so oft beim Angeln bekommt man einen Vorteil nicht kostenlos.

Denn wenn die Schnur kaum etwas abfedert, federt sie eben auch im Drill kaum etwas ab. Dann müssen Rute, Rollenbremse und letztlich auch der Angler einen Teil dieser Arbeit übernehmen.

Das ist für mich aber kein Grund zu sagen:

„Geflecht ist nur etwas für erfahrene Angler.“

Das halte ich für Quatsch.

Auch ein Einsteiger kann problemlos mit Geflecht angeln.

Jetzt sind wir bei Fluorocarbon.

Und hier liest man regelmäßig einen Satz, bei dem ich etwas vorsichtig wäre:

„Fluorocarbon ist im Wasser unsichtbar.“

Unsichtbar?

Na ja.

Wenn es wirklich unsichtbar wäre, hätte ich beim Binden wahrscheinlich ein ganz anderes Problem. 😉

Richtig ist: Fluorocarbon besitzt optische Eigenschaften, durch die es unter Wasser weniger auffällig sein kann. Außerdem ist es relativ abriebfest und sinkt.

Beim Spoonangeln interessiert es mich deshalb vor allem als Vorfach vor einer geflochtenen Hauptschnur.

Der Aufbau ist simpel:

Geflecht → Fluorocarbon → Snap → Spoon.

Mehr Hexenwerk steckt zunächst nicht dahinter.

Das Geflecht liefert mir den direkten Kontakt und das Fluorocarbon bildet das letzte Stück zum Köder.

Natürlich kann man Fluorocarbon auch anders einsetzen und sogar als Hauptschnur fischen.

Aber wenn du gerade erst anfängst, musst du daraus noch keine Doktorarbeit machen.

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Merke dir zunächst einfach:

Geflecht auf der Rolle? Dann ist Fluorocarbon als Vorfach eine sehr interessante Kombination.

Man sollte nur verstehen, dass sich das gesamte Setup dadurch etwas anders verhält.

Und ich würde meinen Spoon nicht einfach direkt ans Geflecht hängen.

Bei mir kommt noch etwas dazwischen.


Fluorocarbon – das letzte Stück zum Spoon

Jetzt sind wir bei Fluorocarbon.

Und hier liest man regelmäßig einen Satz, bei dem ich etwas vorsichtig wäre:

„Fluorocarbon ist im Wasser unsichtbar.“

Unsichtbar?

Na ja.

Wenn es wirklich unsichtbar wäre, hätte ich beim Binden wahrscheinlich ein ganz anderes Problem. 😉

Richtig ist: Fluorocarbon besitzt optische Eigenschaften, durch die es unter Wasser weniger auffällig sein kann. Außerdem ist es relativ abriebfest und sinkt.

Beim Spoonangeln interessiert es mich deshalb vor allem als Vorfach vor einer geflochtenen Hauptschnur.

Der Aufbau ist simpel:

Geflecht → Fluorocarbon → Snap → Spoon.

Mehr Hexenwerk steckt zunächst nicht dahinter.

Das Geflecht liefert mir den direkten Kontakt und das Fluorocarbon bildet das letzte Stück zum Köder.

Natürlich kann man Fluorocarbon auch anders einsetzen und sogar als Hauptschnur fischen.

Momoi Neo FC 0.18 mm | 25 m

Merke dir zunächst einfach:

Geflecht auf der Rolle? Dann ist Fluorocarbon als Vorfach eine sehr interessante Kombination.


Und dann kommt Ester …

Irgendwann passiert es.

Du beschäftigst dich etwas intensiver mit Spoonangeln, schaust nach Japan, liest etwas über Trout Area und plötzlich steht da:

Ester Line.

Großartig.

Wir hatten gerade verstanden, was Mono, Geflecht und Fluorocarbon machen – und jetzt brauchen wir offensichtlich noch eine vierte Schnur.

Aber auch hier gilt:

Keine Panik.

Ester ist keine Zauberschnur.

Und vor allem ist sie nicht die Schnur, die man benutzen muss, sobald man irgendwann „gut genug“ im Spoonangeln geworden ist.

Ich lese gelegentlich:

„Ester ist etwas für Profis.“

Diese Formulierung gefällt mir überhaupt nicht.

Ester hat schlicht bestimmte Eigenschaften.

Sie ist sehr dünn, besitzt wenig Dehnung und ermöglicht einen sehr direkten Kontakt zum Köder. Gerade beim Fischen mit sehr leichten Spoons kann das interessant werden.

Dafür ist sie im Umgang weniger gutmütig als eine klassische Mono. Je nach Schnur, Durchmesser, Spule und Handhabung kann sie beispielsweise schneller von der Rolle springen oder Schnursalat produzieren.

Wer sie fischt, sollte also wissen, warum er sie fischt.

Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt:

Ich würde Ester nicht kaufen, weil Trout-Area-Angler Ester benutzen.

Ich würde Ester kaufen, wenn ich eine Eigenschaft brauche, die Ester mir bietet.

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Bildergebnis für ester schnur

Also: Welche Schnur soll ich jetzt nehmen?

Wenn du bis hier gelesen hast und jetzt denkst:

„Klaus, schön und gut. Sag mir einfach, was ich auf meine Rolle spulen soll.“

Okay.

Machen wir es einfach.

Du fängst gerade mit dem Spoonangeln an?

Mono.

Aufspulen, Snap dran und angeln gehen.

Du möchtest einen sehr direkten Kontakt zu deinem Spoon?

Geflecht plus Fluorocarbon-Vorfach.

Du beschäftigst dich intensiv mit sehr leichten Spoons und möchtest ein sehr feines, direktes Setup?

Dann solltest du dir Ester anschauen.

Und Fluorocarbon?

Für mich vor allem als Vorfachmaterial, insbesondere in Verbindung mit Geflecht – wobei es durchaus Angler gibt, die FC auch als Hauptschnur einsetzen.

Das war’s eigentlich schon.


Mono, PE oder Ester – darüber kann man wunderbar streiten

Und genau deshalb finde ich diese Diskussionen manchmal so amüsant.

Der Mono-Angler sagt:

„Ich brauche kein Geflecht.“

Der PE-Angler sagt:

„Mit Mono spüre ich doch überhaupt nichts.“

Und irgendwann kommt der Trout-Area-Spezialist um die Ecke und erzählt beiden etwas von Ester.

Am Ende stehen drei Angler am selben Teich und fangen alle ihre Forellen.

Wer fängt, hat Recht.

Entscheidend ist für mich deshalb nicht, welche Schnur gerade modern ist.

Entscheidend ist, ob ich verstehe, was meine Schnur macht und warum ich sie verwende.

Denn die Schnur arbeitet nicht allein.

Rute, Rollenbremse, Schnur, Vorfach, Haken und Köder bilden zusammen ein System.

Eine sehr direkte Schnur an einer sehr harten Rute kann sich vollkommen anders anfühlen als dieselbe Schnur an einer weicheren Rute.

Deshalb halte ich auch wenig davon, eine Schnur isoliert zur „besten Schnur zum Spoonangeln“ zu erklären.

Die gibt es nicht.


Mein Fazit

Wenn du gerade anfängst, lass dich von dem ganzen Thema nicht verrückt machen.

Du brauchst nicht drei Rollen mit unterschiedlichen Schnüren, fünf Vorfachstärken und einen japanischen Schnurkatalog auf dem Nachttisch.

Eine vernünftige Mono reicht völlig aus, um mit dem Spoonangeln zu beginnen.

Wenn du später merkst, dass du mehr direkten Kontakt möchtest, probiere Geflecht mit Fluorocarbon-Vorfach.

Und wenn du irgendwann sehr fein und sehr leicht fischst und wissen möchtest, was Ester anders macht:

Dann probierst du eben Ester.

Nicht weil du es musst.

Sondern weil du inzwischen weißt, warum du es ausprobieren möchtest.

Und genau so sollte es beim Angeln eigentlich immer sein.


Jetzt interessiert mich eure Meinung

Bei Schnüren gibt es vermutlich ungefähr so viele Überzeugungen wie Spoonfarben.

Deshalb schreibt mir:

Was fischt ihr beim Spoonangeln – Mono, Geflecht, Ester oder Fluorocarbon?

Und bitte nicht nur den Namen der Schnur.

Mich interessiert vor allem:

Warum fischt ihr sie?

Vielleicht finden wir in den Kommentaren ja tatsächlich die eine perfekte Schnur zum Spoonangeln.

Ich habe da allerdings so meine Zweifel. 😉

Wenn euch solche Beiträge gefallen, folgt Forellen-Fieber. Hier machen wir modernes Forellenangeln nicht komplizierter, als es ohnehin schon ist.

All times, tight lines

Euer Klaus

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