Autor: forellenadmin

  • Lego-Forellen aus dem Forellenzoo? Warum ich diese Arroganz unter Anglern nicht verstehe

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo? Warum ich diese Arroganz unter Anglern nicht verstehe

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo?

    „Forellenpuff“ kenne ich schon seit Ewigkeiten. „Forellenzoo“ ist mir auch schon das eine oder andere Mal begegnet. Aber vor Kurzem kam noch ein Begriff dazu, den ich tatsächlich noch nicht kannte: Lego-Forellen.

    Ich musste erst einmal lachen, weil das Bild zugegebenermaßen nicht ganz schlecht ist. Morgens fährt der Betreiber mit dem Besatzwagen vor, kippt ein paar Fische ins Wasser, vielleicht noch zwei oder drei große Lachsforellen dazu, und anschließend stehen wir Forellenpuff-Angler am Ufer und sammeln die Dinger nur noch ein. So ungefähr scheint zumindest die Vorstellung mancher Angler auszusehen.

    Wenn es so einfach wäre, hätte ich mir in den vergangenen Jahrzehnten vermutlich eine Menge Gedanken sparen können.

    Was mich an solchen Begriffen allerdings weniger stört als die Haltung, die manchmal dahintersteht. Ein bisschen Spott gehört zum Angeln schließlich dazu, und ich kann über mich selbst durchaus lachen. Problematisch wird es für mich erst dann, wenn aus einem lockeren Spruch plötzlich eine Rangordnung entsteht: Hier der „richtige“ Angler, der irgendwo auf einem riesigen Natursee Barsche, Hechte oder Zander sucht – und dort der Forellensee-Angler, der angeblich nur darauf wartet, dass ihm der nächste Besatzfisch freiwillig in den Kescher springt.

    Und genau da frage ich mich: Warum müssen wir Angler eigentlich immer wieder versuchen, unsere eigene Art zu angeln aufzuwerten, indem wir die eines anderen kleiner machen?


    Am Forellensee kaufe ich keinen Fisch

    Fangen wir vielleicht mit einem der größten Missverständnisse an. Wenn ich morgens an einem kommerziellen Forellensee meine Angelkarte bezahle, kaufe ich keinen Fisch. Ich kaufe Angelzeit an einem bewirtschafteten Gewässer und damit natürlich auch die Aussicht, dass dort ein vernünftiger Fischbestand vorhanden ist.

    Ja, selbstverständlich erhöht das meine Wahrscheinlichkeit, einen Fisch zu fangen. Genau deshalb gehe ich schließlich dorthin. Ich würde mich ziemlich wundern, wenn ein Betreiber morgens 50 Euro kassiert und mir anschließend erklärt, dass in seinem See möglicherweise gar keine Forellen schwimmen.

    Aber eine höhere Fangwahrscheinlichkeit ist eben noch lange keine Fanggarantie.

    Auf meiner Tageskarte steht schließlich nicht: „Herr Illmer, Ihre vier Forellen warten heute zwischen Steg drei und vier. Bitte bis spätestens um 14 Uhr abholen.“

    Schade eigentlich. Das würde einiges vereinfachen.

    Wer regelmäßig an Forellenseen angelt, kennt die Realität ohnehin. Da steht einer und fängt zehn, zwölf oder zwanzig Forellen, während wenige Meter daneben jemand sitzt, der irgendwann anfängt, an seinem Köder, seiner Montage und vermutlich irgendwann auch an seinem gesamten bisherigen Leben zu zweifeln.

    Die Fische sind für beide da.

    Wenn allein der Besatz darüber entscheiden würde, wer erfolgreich ist, müssten am Ende des Tages eigentlich alle Angler ungefähr dasselbe Ergebnis haben. Tun sie aber nicht. Und genau an diesem Punkt beginnt für mich das eigentliche Angeln.


    Besetzt worden sein heißt noch lange nicht, dass sie leicht zu fangen sind

    Natürlich nimmt mir der Forellensee eine Aufgabe teilweise ab: Ich muss nicht erst herausfinden, ob überhaupt Forellen im Gewässer vorhanden sind. An einem 400 Hektar großen Natursee sieht das selbstverständlich anders aus, und wer dort gezielt Barsche, Zander oder Hechte findet, braucht Fähigkeiten, die ich an einem kleinen kommerziellen Forellensee in dieser Form nicht benötige.

    Das kann ich völlig neidlos anerkennen.

    Ich verstehe nur nicht, warum daraus automatisch folgen soll, dass meine Art zu angeln deshalb anspruchslos oder minderwertig sein muss. Die Schwierigkeit liegt schlicht an einer anderen Stelle.

    Am Forellensee weiß ich vielleicht, dass der Fisch da ist. Ich weiß aber noch lange nicht, was ich tun muss, damit er meinen Köder nimmt.

    Ich muss beobachten, ausprobieren, verändern und manchmal auch ziemlich schnell akzeptieren, dass meine ach so brillante Idee gerade überhaupt nicht funktioniert. Mal laufen die Fische auf einen Spoon, mal auf einen Gummiköder, mal geht plötzlich mit einer Bienenmade mehr als mit jedem modernen Kunstköder. Mal wollen sie Tempo, mal interessiert sie genau dieses Tempo überhaupt nicht.

    Und manchmal kann man die Forellen sogar sehen, was einen erfolglosen Angeltag keineswegs angenehmer macht.

    Es gibt nämlich kaum etwas Demütigenderes, als seit zwei Stunden keinen vernünftigen Biss zu bekommen, während die „dummen Lego-Forellen“ vor den eigenen Füßen ihre Runden drehen und der Kollege fünf Meter weiter gerade zum sechsten Mal seinen Kescher ins Wasser hält.

    So viel zum Thema Forellen-Zoo.


    Muss Angeln möglichst schwierig sein, um „ein richtiger Angler“ zu sein?

    Ich glaube, genau hier steckt ein merkwürdiger Denkfehler in manchen Diskussionen. Je größer das Gewässer, je geringer der Fischbestand und je unwahrscheinlicher ein Fang wird, desto anspruchsvoller – und damit irgendwie „echter“ – soll das Angeln sein.

    Wenn wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen, wäre der beste Angler am Ende derjenige, der zwölf Stunden lang auf einem möglichst großen Gewässer überhaupt keinen Fischkontakt bekommt.

    Das erscheint mir als Definition von Können dann doch etwas gewagt.

    Natürlich kann es eine enorme Herausforderung sein, auf einem großen Naturgewässer einen einzelnen Hecht zu finden. Genauso kann es eine Herausforderung sein, an einem kleinen, stark befischten Forellensee herauszufinden, warum die Fische heute jeden Köder ignorieren, obwohl man genau weiß, dass sie da sind.

    Das sind unterschiedliche Aufgaben, die unterschiedliche Fähigkeiten verlangen. Warum daraus unbedingt eine Rangliste entstehen muss, erschließt sich mir nicht.


    Und dann gibt es da noch die Kinder sowie mobil eingeschränkte Menschen

    Dieser Punkt ist mir persönlich fast wichtiger als die ganze Diskussion darüber, welche Angelart angeblich besonders anspruchsvoll ist.

    Ich habe im Laufe der Jahre viele Kinderangeln begleitet und dabei immer wieder erlebt, was ein erster Fisch mit einem Kind macht. Wer einmal daneben gestanden hat, wenn plötzlich zum ersten Mal die Rute krumm wird, weiß genau, was ich meine.

    Da wird aus einem halbwegs interessierten Kind innerhalb von Sekunden ein völlig aufgeregter kleiner Angler. Plötzlich zieht etwas am anderen Ende der Schnur, es wird hektisch gekurbelt, jemand ruft „Nicht so schnell!“, ein anderer „Weiterkurbeln!“, und wahrscheinlich bekommt der Erwachsene daneben mehr Puls als das Kind selbst.

    Dann kommt irgendwann der Fisch in den Kescher.

    Und diese Augen vergisst man nicht.

    Genau deshalb finde ich die Rolle kommerzieller Forellenseen für Kinder, Jugendliche und Einsteiger so wichtig. Natürlich kann ich mit meinem Kind auch an einen riesigen Natursee fahren und vier Stunden auf Hecht angeln. Vielleicht erleben wir dabei einen großartigen Tag, vielleicht passiert aber auch überhaupt nichts.

    Ein erfahrener Angler kann mit so einem Tag wunderbar umgehen. Der hat das Wetter beobachtet, neue Stellen kennengelernt, verschiedene Köder ausprobiert und fährt nach Hause mit dem Gefühl, trotzdem etwas gelernt zu haben.

    Ein Kind, das gerade ausprobiert, ob dieses Angeln überhaupt etwas für es ist, bewertet vier Stunden ohne einen einzigen Kontakt möglicherweise etwas anders.

    Und genau deshalb finde ich es überhaupt nicht verwerflich, die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges am Anfang bewusst zu erhöhen. Ich muss einem Achtjährigen nicht zuerst beweisen, wie schwierig Angeln sein kann. Ich möchte ihm zunächst zeigen, warum dieses Hobby überhaupt so faszinierend ist.

    Manchmal reicht dafür tatsächlich dieser eine Biss, die krumme Rute und der erste selbst gedrillte Fisch.

    Und wenn auf der Heimfahrt dann die Frage kommt: „Wann gehen wir wieder angeln?“, dann ist für mich ziemlich viel richtig gelaufen.

    Zudem geben kommerzielle Forellengewässer mobil eingeschränkten Menschen wie auch mir, die Möglichkeit, unserer wunderbaren Leidenschaft an einigen mir bekannten Anlagen „barrierefrei“ nachgehen zu können. Es gibt Anlagen mit freiem Zugang zum Wasser, Plateaus, teilweise mit Handlauf, eben Plätze, an denen sogar Menschen angeln können, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind und die an den freien Gewässern oft schwerlich Zugang zum Ufer finden.


    Irgendwo muss Begeisterung anfangen

    Wir reden in der Angelszene ständig darüber, dass Nachwuchs fehlt und dass wir Kinder und Jugendliche stärker für unser Hobby begeistern müssen. Gleichzeitig machen wir uns teilweise über genau die Gewässer lustig, an denen viele Einsteiger überhaupt zum ersten Mal einen Fisch fangen.

    Das passt für mich nicht ganz zusammen.

    Nicht jeder wächst in einer Anglerfamilie auf. Nicht jeder besitzt ein Boot, kennt die besten Stellen an einem großen Vereinsgewässer oder hat jemanden an der Seite, der ihm fünf Jahre lang erklärt, wie man dort erfolgreich angelt.

    Ein kommerzieller Forellensee ist vergleichsweise einfach zugänglich, überschaubar und bietet eine realistische Chance auf ein Erfolgserlebnis. Das ist kein Makel, sondern aus meiner Sicht sogar eine seiner größten Stärken.

    Begeisterung muss schließlich irgendwo anfangen.

    Und wenn sie an einem Forellensee anfängt, ist sie deswegen nicht weniger wert.


    Auch an „richtigen“ Angelgewässern wird besetzt

    Besonders amüsant wird die Diskussion für mich immer dann, wenn ausgerechnet der Besatz als Beweis dafür herhalten soll, dass Forellensee-Angeln irgendwie künstlich sei.

    Denn natürlich werden auch an Vereinsgewässern Fische besetzt.

    Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass eine morgens eingesetzte Regenbogenforelle in einem kleinen kommerziellen See mit einem Hecht vergleichbar ist, der irgendwann einmal in ein großes Gewässersystem eingesetzt wurde und dort über Jahre lebt. Besatzdichte, Gewässergröße, Aufenthaltsdauer und Bewirtschaftungsziel unterscheiden sich erheblich.

    Aber dann sollten wir auch genau darüber sprechen.

    Allein die Tatsache, dass ein Fisch irgendwann einmal eingesetzt wurde, kann jedenfalls kaum darüber entscheiden, ob sein Fang sportlich etwas wert ist oder nicht. Sonst müssten wir künftig vor jedem Fang erst einmal den Stammbaum kontrollieren.

    „Entschuldigung, Herr Zander, könnten Sie kurz sagen, ob Ihre Großeltern hier natürlich abgelaicht haben? Sonst darf ich mich nachher vielleicht nicht richtig freuen.“

    Das könnte am Wasser etwas kompliziert werden.


    Forellenseen schaffen zusätzlichen Angelraum

    Ein Aspekt wird in dieser Diskussion außerdem gern übersehen: Kommerzielle Forellenseen schaffen schlicht zusätzliche Möglichkeiten, angeln zu gehen.

    Deutschland hat viele Angler, und die wollen irgendwo ihrem Hobby nachgehen. Jeder, der seinen Samstag an einem kommerziellen Forellensee verbringt, sitzt an diesem Tag eben nicht zusätzlich an einem Vereinssee, Fluss oder Kanal.

    Ich würde daraus keine große wissenschaftliche Behauptung machen und behaupten, Forellenseen würden messbar sämtliche anderen Gewässer entlasten. Aber dass sie zusätzlichen Angelraum schaffen, dürfte schwer zu bestreiten sein.

    Und gerade in dicht besiedelten Regionen finde ich das alles andere als unwichtig.


    Der belächelte Forellensee ist nebenbei ein ziemlich großer Markt

    Wer Forellensee-Angeln gern als kleine sonderbare Nische abtut, sollte einmal durch einen gut sortierten Angelladen gehen und sich anschauen, wie viel Platz dieses angeblich unbedeutende Hobby dort inzwischen einnimmt.

    Da hängen Spoons in unzähligen Formen, Gewichten und Farben. Daneben liegen Gummiköder, Haken, Sbirolinos, Tremarella-Zubehör, Forellenposen, Spezialrollen, Schnüre, Kescher, Taschen, Rutenständer und komplette Rutenserien, die ausschließlich für modernes Forellenangeln oder Trout Area entwickelt wurden.

    Und diese Produkte liegen dort nicht, weil die Hersteller ihre Verpackungen so hübsch finden.

    Sie werden verkauft.

    Hinter dem kommerziellen Forellenangeln hängt inzwischen eine komplette wirtschaftliche Kette. Da sind zunächst Fischzüchter und Transporteure, dann die Betreiber der Anlagen mit Personal, Technik, Futter, Energie und Infrastruktur. Danach kommen Hersteller, Großhändler, Fachgeschäfte und Onlineshops, und inzwischen verdienen natürlich auch Medien, Veranstalter und Content-Produzenten an diesem Bereich.

    Mich würde tatsächlich interessieren, welchen Anteil Forellentackle heute am deutschen Angelgerätemarkt besitzt.

    Eine belastbare Zahl dazu kenne ich nicht, und ich werde hier auch keine erfinden. Aber wenn große internationale Hersteller komplette Produktlinien ausschließlich für das Forellenangeln entwickeln, kann dieser Markt so bedeutungslos kaum sein.

    Kein Unternehmen entwickelt über Jahre Ruten, Rollen, Köder, Schnüre und Zubehör für eine Zielgruppe, die wirtschaftlich nicht existiert.

    Vielleicht ist der belächelte „Forellenzoo“ also größer, als manche denken.


    Und genau deshalb finde ich die Überheblichkeit so merkwürdig

    Vor allem innerhalb der Angelbranche sollten wir uns eigentlich zweimal überlegen, ob wir bestimmte Formen unseres Hobbys kleinreden.

    Denn letztlich leben wir alle davon, dass Menschen angeln wollen. Hersteller brauchen Kunden, Händler brauchen Kunden, Gewässerbetreiber brauchen Gäste und Vereine brauchen neue Mitglieder.

    Ein Kind, das heute an einem Forellensee seinen ersten Fisch fängt, kann in ein paar Jahren begeisterter Raubfischangler sein. Oder Karpfenangler. Oder Fliegenfischer. Oder eben weiterhin Forellenangler.

    Vielleicht kauft es irgendwann die erste hochwertige Rute, später die zweite und dann irgendwann viel zu viele Köder, von denen selbstverständlich jeder einzelne unbedingt notwendig war.

    Spätestens dann wissen wir: Der Nachwuchs ist endgültig im Hobby angekommen.

    Warum sollten wir also ausgerechnet den Einstieg lächerlich machen, von dem unser Hobby und letztlich auch die gesamte Branche lebt?


    Vielleicht nehmen wir unsere eigenen Schubladen einfach zu wichtig

    Ich glaube ohnehin, dass hinter vielen dieser Diskussionen etwas ziemlich Menschliches steckt.

    Irgendwann sagen wir nicht mehr: „Ich angle gern auf Barsch“, sondern: „Ich bin Barschangler.“

    Der andere ist Fliegenfischer, Karpfenangler, Meeresangler, Trout-Area-Angler oder klassischer Forellensee-Angler. Und sobald wir uns selbst über eine Gruppe definieren, entsteht erstaunlich schnell die Versuchung, diese Gruppe ein kleines bisschen höher einzuordnen als die andere.

    Dabei stehen wir am Ende alle irgendwo mit einer Angelrute am Wasser und versuchen, einen Fisch davon zu überzeugen, einen Köder ins Maul zu nehmen.

    So wahnsinnig unterschiedlich sind wir vielleicht doch nicht.

    Ich muss Barschangeln nicht kleiner machen, damit Forellenangeln für mich interessant bleibt. Ich kann einen guten Hechtangler bewundern, ohne deshalb meine eigene Angelei für minderwertig zu halten. Ich kann anerkennen, dass ein Fliegenfischer Fähigkeiten besitzt, bei denen ich vermutlich nach zehn Minuten den nächstgelegenen Baum dekoriert hätte, und trotzdem weiterhin mit Freude an meinen Forellensee fahren.

    Respekt funktioniert schließlich in beide Richtungen.


    Wer fängt, hat Recht

    Ich sage gern: „Wer fängt, hat Recht.“

    Damit meine ich nicht, dass derjenige mit den meisten Fischen automatisch der beste Angler am Wasser ist. Gemeint ist etwas anderes: Der Fisch interessiert sich herzlich wenig für unsere Ideologien.

    Die Forelle weiß nicht, ob ich Trout Area betreibe, Tremarella fische oder einen klassischen Sbirolino montiert habe. Sie kennt keine Diskussion darüber, welche Methode moderner, anspruchsvoller oder sportlich wertvoller ist. Sie weiß auch nicht, ob mein Köder aus Japan kommt oder aus einer Grabbelkiste im Angelladen.

    Sie reagiert darauf.

    Oder eben nicht.

    Und manchmal denke ich, dass der Fisch damit wesentlich entspannter umgeht als wir Angler.


    Dann nennt sie eben Lego-Forellen

    Deshalb werde ich vermutlich auch weiterhin über „Lego-Forellen“ lachen können. Von mir aus nennt den See Forellenzoo, Forellenpuff oder was euch sonst noch einfällt.

    Ich weiß ziemlich genau, warum ich dort angle.

    Mich fasziniert diese Angelei gerade deshalb, weil sie trotz der vermeintlich einfachen Voraussetzungen unglaublich vielseitig sein kann. Ich mag diese Momente, in denen ich glaube, die Lösung gefunden zu haben, und die Forellen mir fünf Minuten später sehr deutlich zeigen, was sie davon halten.

    Und ich mag es besonders, wenn jemand am Wasser seinen ersten Fisch fängt und plötzlich versteht, warum wir uns seit Jahren freiwillig bei Wind, Regen und viel zu frühen Uhrzeiten an irgendwelche Gewässer stellen.

    Deshalb müssen andere meine Art zu angeln gar nicht toll finden.

    Ich wünsche mir nur ein bisschen weniger von dieser merkwürdigen Vorstellung, dass die eigene Angelart automatisch größer wird, wenn man die eines anderen kleiner macht.

    Denn wenn in einem angeblichen „Forellenzoo“ ein Kind seinen ersten Fisch drillt, ihn anschließend mit strahlenden Augen in den Händen hält und auf der Heimfahrt fragt:

    „Wann gehen wir wieder angeln?“

    dann hat dieser Forellenzoo an diesem Tag vielleicht mehr für die Zukunft unseres Hobbys getan, als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.

    Und das finde ich ziemlich schwer lächerlich zu machen.


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  • Forellensee ist doch kein richtiges Angeln! Wirklich?

    Forellensee ist doch kein richtiges Angeln! Wirklich?

    Forellensee ist doch kein richtiges Angeln
    Design ohne Titel – 1

    „Forellensee? Das ist doch kein richtiges Angeln. Die Forellen werden morgens eingesetzt, schwimmen einmal im Kreis und dann hältst du ihnen eine Bienenmade vor die Nase. Kann doch jeder.“

    Wer häufiger an kommerziellen Forellenseen unterwegs ist, dürfte diesen Spruch in der einen oder anderen Variante kennen. Und bevor jetzt jemand erwartet, dass ich mich empört vor meinen geliebten Forellenteich werfe und ihn mit meinem Körper gegen solche Anschuldigungen verteidige: Ein kleines bisschen kann ich die Kritik sogar verstehen.

    Natürlich ist ein Forellensee kein Wildbach in den Alpen. Ich muss mich nicht drei Kilometer durchs Unterholz schlagen, um irgendwann festzustellen, dass dort, wo ich seit zwei Stunden angle, wahrscheinlich überhaupt keine Forelle steht. Am kommerziellen Forellensee werden Fische gezielt besetzt. Ich bezahle dafür, dort zu angeln, und darf einigermaßen sicher davon ausgehen, dass tatsächlich Forellen im Wasser sind.

    Bis hierhin bin ich bei den Kritikern.

    Nur bei der Schlussfolgerung steige ich aus.

    Denn wenn der Besatz allein schon ausreichen würde, um erfolgreich zu sein, müsste es am Forellensee eigentlich ziemlich gerecht zugehen. Zehn Angler sitzen am Wasser, hundert Forellen werden eingesetzt und am Ende fährt jeder ungefähr mit demselben Ergebnis nach Hause.

    Wer das schon einmal erlebt hat, darf mir gerne schreiben. Ich kenne solche Tage nämlich nicht.

    Viel häufiger sieht die Realität ungefähr so aus: Einer fängt richtig gut, zwei andere ganz ordentlich, irgendwo sitzt jemand seit Stunden bei Kaffee und Frikadellenbrötchen und fünf Meter neben dem besten Angler des Tages fragt sich einer langsam, ob sein Köder vielleicht eine persönliche Abneigung gegen Forellen entwickelt hat.

    Die Fische wurden für alle eingesetzt. Warum fangen dann nicht alle gleich?


    Der Fisch ist da. Wunderbar. Jetzt fang ihn.

    Das ist für mich einer der großen Unterschiede zu manch anderer Angelei. Am Forellensee wurde mir eine wichtige Frage bereits beantwortet: Ja, es sind Fische vorhanden.

    Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie sich deshalb freiwillig an meinen Haken hängen.

    Ich kenne genügend Tage, an denen morgens alles wunderbar aussieht. Die ersten Forellen werden gefangen, die Stimmung ist bestens und spätestens nach dem dritten Fisch ist natürlich auch der erste Angler überzeugt, den Köder des Tages gefunden zu haben. Am besten gleich noch die Farbe, die ab sofort vermutlich für den Rest der Saison unschlagbar sein wird.

    Zwei Stunden später passiert auf genau diesen Köder gar nichts mehr.

    Die Forellen sind in der Zwischenzeit allerdings nicht geschlossen über den Parkplatz marschiert und zurück zur Fischzucht gefahren. Sie sind noch da. Nur irgendetwas hat sich verändert.

    Wo halten sie sich auf? Sind sie noch aktiv unterwegs oder deutlich ruhiger geworden? Wollen sie einen bewegten Köder oder reagieren sie darauf gerade überhaupt nicht? Muss ich schneller werden, langsamer, höher, tiefer oder vielleicht die Methode komplett wechseln?

    Genau dieses Herausfinden macht für mich einen großen Teil der Faszination aus.


    Ja, die Forellen kommen aus der Fischzucht

    Auch daraus müssen wir kein Geheimnis machen.

    Die typische Regenbogenforelle am Forellensee hat wahrscheinlich keine jahrelange Ausbildung darin absolviert, Fliegenfischer an einem wilden kanadischen Gebirgsfluss zur Verzweiflung zu bringen. Sie kommt aus einer Fischzucht und wurde irgendwann in unser Gewässer eingesetzt.

    Nur scheint mancher daraus abzuleiten, dass eine solche Forelle automatisch alles frisst, was ungefähr in ihr Maul passt.

    Schön wär’s.

    Wer schon einmal an einem schwierigen Tag Forellen direkt vor sich gesehen hat, während die eigene Fangstatistik trotzdem beharrlich bei null geblieben ist, kennt dieses ausgesprochen befriedigende Gefühl.

    Du weißt, dass sie da sind. Du kannst sie teilweise sogar sehen. Du wirfst ihnen etwas hin und sie zeigen dir auf sehr eindrucksvolle Weise, was sie davon halten.

    Nämlich gar nichts.

    Und dann verändert man etwas. Manchmal nur eine Kleinigkeit, manchmal die komplette Präsentation – und plötzlich bekommt man eine Reaktion.

    Genau deshalb finde ich den Forellensee so spannend. Nicht weil ich dort garantiert fange, sondern weil ich ziemlich häufig weiß, dass der Fisch da ist und ich trotzdem erst herausfinden muss, wie ich ihn fange.

    Das ist ein erheblicher Unterschied.


    Ein Fisch und gefühlt tausend Möglichkeiten

    Was mich am modernen Forellenangeln seit jeher fasziniert, ist diese unglaubliche Vielfalt.

    Man kann ganz klassisch mit Bombarde, Pose, Paste und Naturköder oder der Fliegenrute angeln. Man kann mit Sbirolino arbeiten, Tremarella fischen, Spoons einsetzen, Gummiköder anbieten oder kleine Wobbler durchs Wasser schicken. Inzwischen kommen immer mehr Einflüsse aus dem japanischen Trout Area hinzu.

    Und bei all diesen Methoden reden wir immer noch über denselben Fisch.

    Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

    Wir Forellenangler haben es geschafft, für einen einzigen Fisch so viele Angelmethoden, Ruten, Rollen, Köder und Montagen zu entwickeln, dass ein Einsteiger beim ersten Besuch eines gut sortierten Angelgeschäfts vermutlich kurz überlegt, ob Briefmarkensammeln nicht doch das übersichtlichere Hobby gewesen wäre.

    Natürlich kann man das belächeln.

    Ich finde genau diese Vielfalt großartig.

    Denn für mich lautet die interessante Frage beim Forellenangeln eben nicht: „Welcher Köder fängt Forellen?“

    Die bessere Frage lautet: „Was muss ich heute tun, damit eine Forelle meinen Köder nimmt?“

    Und die Antwort darauf kann morgens um acht Uhr eine völlig andere sein als mittags um zwölf.


    Ist das moderne Forellenangeln schwieriger zu erlernen als andere Angelarten?

    Nein und ich muss auch niemandem beweisen, dass ein Forellensee schwieriger zu beangeln ist als ein Wildbach oder dass ein guter Forellenangler automatisch der bessere Angler wäre. Das wäre genauso unsinnig wie die Behauptung, am Forellensee könne sowieso jeder fangen.

    Jede Angelart hat ihre eigenen Herausforderungen.

    Ein Zanderangler an einem riesigen Natursee muss seine Fische unter völlig anderen Voraussetzungen finden. Ein Fliegenfischer muss einen Bach anders lesen als ich einen Forellensee. Und jemand, der drei Nächte auf einen einzigen Karpfen wartet, besitzt offenbar eine Form von innerer Ruhe, für die mir persönlich einige wichtige Gene fehlen.

    Das ist doch gerade das Schöne an unserem Hobby.

    Ich muss nicht alles selbst machen und ich muss auch nicht alles mögen. Aber ich kann trotzdem anerkennen, dass andere Formen des Angelns ihren ganz eigenen Reiz haben.

    Warum sollte überhaupt jemand bestimmen dürfen, was „richtiges Angeln“ ist?


    Schneider am Forellensee ist übrigens besonders schön

    An einem riesigen Naturgewässer hat ein erfolgloser Angeltag wenigstens einen gewissen psychologischen Vorteil.

    Vielleicht waren einfach keine Fische da.

    Das ist eine hervorragende Erklärung und man kann damit einigermaßen zufrieden nach Hause fahren.

    Am Forellensee funktioniert diese Ausrede leider nicht immer.

    Da kann es passieren, dass die Forellen direkt vor einem herumschwimmen. Man weiß, dass sie da sind. Man sieht sie. Im schlimmsten Fall sieht man sogar, wie sie den eigenen Köder anschauen und anschließend etwas tun, was ich einmal höflich als „mangelndes Interesse“ bezeichnen möchte.

    Und während man selbst langsam sämtliche Entscheidungen seines Lebens hinterfragt, keschert der Kollege ein paar Meter weiter seine nächste Forelle.

    Das ist dann der Moment, in dem ich mich besonders darüber freue, dass Forellensee angeblich so einfach ist.


    Und dann kam Trout Area – jetzt wird es endgültig verrückt

    Wenn wir über modernes Forellenangeln sprechen, kommen wir inzwischen an Trout Area kaum noch vorbei.

    Von außen betrachtet kann das durchaus ein bisschen nach Tackle-Zirkus aussehen. Da stehen drei, vier oder fünf fertig montierte UL-Ruten im Ständer, dazu Spezialrollen, unterschiedliche Schnüre, kleine Spoons, Wobbler und anderes Zeug, bei dem der unbeteiligte Zuschauer irgendwann berechtigt fragen darf:

    „Leute, wir angeln auf Forellen. Muss das wirklich sein?“

    Ausgerechnet ich sollte diese Frage allerdings lieber sehr vorsichtig stellen.

    Ich komme aus der Tremarella-Bewegung und bei unseren Wettkämpfen standen teilweise bis zu 14 fertig montierte Ruten in unseren Rutenständern.

    Vierzehn.

    Dagegen reist der moderne Trout-Area-Angler mit seinen drei bis fünf Ruten praktisch mit Handgepäck an.

    Natürlich braucht kein Mensch so viele spezialisierte Trout-Area-Ruten, um eine Forelle zu fangen. Genauso wenig brauchte der normale Freizeitangler unsere 14 vorbereiteten Tremarella-Ruten.

    Der Gedanke dahinter war und ist ein anderer. Wenn ich sehr spezialisiert angle, möchte ich für unterschiedliche Situationen vorbereitet sein und nicht ständig meine einzige Rute komplett umbauen.

    Man kann das faszinierend finden oder vollkommen bekloppt. Ich neige dazu, beides gleichzeitig zu tun.

    Problematisch wird es für mich erst dann, wenn aus Spezialisierung plötzlich eine Voraussetzung gemacht wird und ein Einsteiger glaubt, er müsse zunächst den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens in Angelgerät investieren, bevor er sich überhaupt an einen Forellensee trauen darf.

    Muss er nicht.

    Und genau deshalb kommen wir zu einem Punkt, den ich bei dieser ganzen Diskussion viel wichtiger finde als die Frage, wer die komplizierteste Angelmethode erfunden hat.


    Der Forellensee ist für viele Menschen die Eingangstür zum Angeln

    Wir Angler reden gerne darüber, dass der Nachwuchs fehlt. Kinder würden zu wenig draußen unternehmen, Vereine hätten Nachwuchssorgen und überhaupt müsse man junge Menschen wieder stärker für Natur und Angeln begeistern.

    Alles richtig.

    Nur sollten wir uns dann vielleicht einmal überlegen, wie Begeisterung eigentlich entsteht.

    Stellen wir uns einen Zehnjährigen bei seinem allerersten Angelausflug vor.

    Papa hat groß angekündigt, dass es heute endlich zum Angeln geht. Das Kind ist aufgeregt, morgens wurde noch schnell Proviant eingepackt und jetzt sitzt der Nachwuchs seit sechs Stunden im Nieselregen und schaut auf eine Pose, die sich ungefähr so viel bewegt wie ein Verkehrsschild.

    Natürlich könnte Papa jetzt erklären, dass genau das die Faszination des Angelns sei: Geduld, Naturerlebnis, Entschleunigung.

    Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob auf der Rückfahrt die begeisterte Frage kommt:

    „Papa, können wir das morgen gleich noch einmal machen?“

    Geduld gehört zum Angeln. Schneidertage gehören dazu. Frust gehört ebenfalls dazu.

    Aber vielleicht müssen wir einem Kind nicht unbedingt am ersten Angeltag das komplette Fortgeschrittenenprogramm vermitteln.


    Der erste Fisch kann alles verändern

    Wer einmal erlebt hat, wie ein Kind seinen ersten Fisch fängt, weiß, was ich meine.

    Da sitzt gerade noch jemand mehr oder weniger interessiert am Wasser und plötzlich verschwindet die Pose.

    Die Rute wird krumm.

    Am anderen Ende zieht tatsächlich etwas.

    Und innerhalb weniger Sekunden ist aus dem vermeintlich langweiligen Hobby der Erwachsenen etwas völlig anderes geworden.

    Da ist wirklich ein Fisch dran!

    Plötzlich kommen die Fragen von ganz allein. Was ist das für einer? Warum hat der gebissen? Können wir noch einen fangen? Welchen Köder nehmen wir jetzt? Wann gehen wir wieder los?

    Genau dieser Moment kann der Anfang von etwas sein, das einen Menschen jahrzehntelang begleitet.

    Und deshalb haben Forellenseen für mich auch eine Bedeutung, über die erstaunlich selten gesprochen wird: Sie senken die Einstiegshürde.

    Ein gut besetzter Forellensee garantiert auch einem Anfänger keinen Fang. Das möchte ich überhaupt nicht behaupten – schließlich wäre damit die Hälfte dieses Artikels hinfällig.

    Aber die Voraussetzungen sind überschaubarer und die Chance auf einen frühen Kontakt mit einem Fisch ist oftmals besser kalkulierbar als an einem riesigen Naturgewässer.

    Gerade für Kinder ist das Gold wert.

    Und bei erwachsenen Einsteigern ist es übrigens gar nicht so anders. Natürlich kann ein Erwachsener einen erfolglosen Angeltag besser einordnen. Trotzdem macht der erste Fisch etwas mit einem.

    Plötzlich versteht man, warum wir wegen dieses Hobbys morgens zu Uhrzeiten aufstehen, zu denen vernünftige Menschen noch schlafen.


    Der Forellensee muss ja nicht das Ziel sein

    Vielleicht beginnt ein Kind mit einer kleinen Pose und einer Bienenmade.

    Ein paar Monate später wird der erste Spoon ausprobiert. Dann vielleicht Gummi, Sbirolino oder Tremarella. Irgendwann interessiert sich dieser junge Angler für Trout Area oder entdeckt Barsch und Zander für sich.

    Vielleicht geht es später an Flüsse, große Seen oder ans Meer. Und vielleicht landet er irgendwann sogar beim Fliegenfischen und erklärt mir dann, dass das, was ich mache, eigentlich gar kein richtiges Angeln ist.

    Dann weiß ich wenigstens, dass wir bei seiner Ausbildung irgendetwas richtig gemacht haben.

    Denn der entscheidende Punkt ist doch:

    Irgendwo muss die Begeisterung anfangen.

    Und für sehr viele Menschen kann dieser Anfang ein Forellensee sein.

    Deshalb finde ich es besonders daneben, wenn ein Kind begeistert seine erste Forelle zeigt und irgendein selbst ernannter Angelprofessor meint, erklären zu müssen:

    „Ja, aber am Forellensee zählt das eigentlich nicht.“

    Wir beklagen fehlenden Nachwuchs und erklären dem Nachwuchs anschließend, warum sein erster Fisch minderwertig ist.

    Auf die Idee muss man auch erst einmal kommen.

    Lasst das Kind doch stolz sein.

    Lasst den erwachsenen Anfänger erzählen, dass er seine erste Forelle gefangen hat.

    Ob sie auf Bienenmade, Spoon, Gummi oder irgendeine andere erlaubte Methode gebissen hat, ist in diesem Moment völlig egal.

    Vielleicht steht dort gerade jemand mit seiner ersten Forelle, der in zwanzig Jahren immer noch angelt.


    Ist das Fischen am Forellensee nun richtiges Angeln?

    Für mich ist schon diese Frage ziemlich schräg.

    Natürlich ist ein kommerzieller Forellensee etwas anderes als ein Wildfluss. Die Fische werden besetzt, das Gewässer wird bewirtschaftet und wir bezahlen dafür, dort angeln zu dürfen.

    Aber daraus folgt eben nicht, dass dort jeder automatisch fängt oder dass diese Form des Angelns irgendwie weniger wert wäre.

    Am Forellensee wird beobachtet, ausprobiert und gelernt. Es werden richtige und falsche Entscheidungen getroffen. Fische werden gefangen und Fische gehen verloren. Es wird geflucht, gelacht und manchmal stundenlang überhaupt nichts verstanden.

    Klingt für mich verdächtig nach Angeln.

    Der eine verbringt seine Nächte am Karpfensee. Der nächste watet mit der Fliegenrute durch einen Bach. Ein anderer sucht Zander auf einem riesigen Stausee. Wieder jemand steht am Forellensee und versucht mit einem winzigen Spoon eine Regenbogenforelle zu erwischen.

    Und irgendwo dazwischen sitzt vielleicht gerade ein Kind mit seiner ersten Angel in der Hand und wartet darauf, dass die Pose endlich untergeht.

    Ich habe nicht das geringste Bedürfnis zu entscheiden, welcher von ihnen der „richtige“ Angler ist.

    Denn am Ende wollen wir doch alle ziemlich genau dasselbe.

    Wir wollen raus. Wir wollen ans Wasser. Wir wollen Fische fangen. Und wir wollen diesen Moment erleben, wenn es plötzlich in der Rute zuckt und für ein paar Sekunden alles andere völlig unwichtig wird.

    Deshalb lautet meine Antwort auf den alten Spruch ziemlich einfach:

    Ja, der Forellensee macht uns den Zugang zum Fisch leichter. Genau dafür ist er da.

    Aber Besatz macht einen Fisch lediglich verfügbar. Er macht ihn noch lange nicht automatisch fangbar.

    Und während der Forellensee für den erfahrenen Angler vielleicht einfach eine von vielen Möglichkeiten ist, seinem Hobby nachzugehen, kann er für ein Kind oder einen Einsteiger etwas ganz anderes sein.

    Der Anfang.

    Und wenn Dein Tochter oder Dein Sohn nach der ersten Forelle mit leuchtenden Augen neben mir steht und nur eine einzige Frage hat:

    „Wann gehen wir wieder angeln?“

    dann ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal, ob irgendjemand da draußen meint, das sei kein „richtiges Angeln“.

    Wie seht Ihr das? Ich bin sehr auf Eure Kommentare gespannt.


    All times- tight lines

    Euer Klaus

  • Spoonangeln auf Forelle: Warum Spoons noch lange nicht tot sind.

    Spoonangeln auf Forelle: Warum Spoons noch lange nicht tot sind.

    In letzter Zeit begegnet mir immer häufiger die Aussage, Spoonangeln sei eigentlich durch, die moderne Forellenangelei habe sich längst in Richtung Gummiköder entwickelt und wer heute noch ernsthaft am Forellensee unterwegs sei, fische eben Gummi. Ich finde diese Diskussion ehrlich gesagt etwas merkwürdig, denn sie unterstellt, dass Spoon und Gummiköder zwei verschiedene Generationen derselben Sache wären. So nach dem Motto: Früher Nokia, heute Smartphone. Früher Spoon, heute Gummi.

    Nur funktioniert das beim Angeln nicht so.

    Ein Gummiköder ist für mich keine modernere Version eines Spoons und ein Spoon keine altmodische Alternative zum Gummi. Es sind zwei unterschiedliche Köderarten mit teilweise völlig unterschiedlichen Möglichkeiten der Präsentation. Natürlich gibt es Überschneidungen, aber gerade diese Unterschiede machen beide für mich interessant. Deshalb würde ich auch niemals auf die Idee kommen, mich grundsätzlich für eine Seite entscheiden zu wollen. Warum sollte ich freiwillig Möglichkeiten aus meiner Angelei streichen?

    Ich glaube ohnehin, dass wir Angler manchmal eine erstaunliche Begabung dafür haben, aus einfachen Dingen Glaubensfragen zu machen. Geflochtene oder monofile Schnur, Naturköder oder Kunstköder, Spoon oder Gummi – irgendwann fehlen eigentlich nur noch verschiedene Trikotfarben und getrennte Fanblöcke am Forellensee.

    Mich interessiert etwas ganz anderes:

    Welcher Köder löst in der Situation, die ich gerade vor mir habe, mein Problem?

    Und genau an diesem Punkt wird Spoonangeln für mich interessant.


    Ein Spoon ist eben nicht nur ein Stück buntes Blech.

    Natürlich kann ich einen Spoon auswerfen, die Rolle kurbeln und darauf warten, dass unterwegs irgendetwas passiert. Das funktioniert sogar manchmal erstaunlich gut. Mit dem eigentlichen Potenzial dieser Angeltechnik hat das für mich aber nur wenig zu tun.

    Ein Spoon reagiert unmittelbar darauf, wie ich ihn führe. Schon kleine Veränderungen der Geschwindigkeit können seinen Lauf deutlich verändern. Dazu kommen Form, Gewicht, Wölbung und Größe. Ein breiterer Spoon, der bereits bei niedriger Geschwindigkeit kräftig arbeitet und deutlich flankend läuft, verhält sich vollkommen anders als ein schmaleres Modell, das auch bei höherem Tempo noch kontrolliert und stabil läuft. Genau deshalb ergibt es für mich wenig Sinn, Spoons nur nach Farbe oder Gewicht zu unterscheiden.

    Ich möchte wissen, was mein Köder im Wasser macht und warum ich genau dieses Verhalten gerade haben möchte.

    Das Gewicht entscheidet beispielsweise längst nicht nur darüber, ob ich fünf Meter weiter werfen kann. Es beeinflusst, wie schnell ich eine bestimmte Wasserschicht erreiche und mit welcher Geschwindigkeit ich dort noch kontrolliert fischen kann. Mit einem leichteren Spoon kann ich in vielen Situationen relativ langsam oberflächennah arbeiten, ohne dass der Köder sofort aus der gewünschten Zone verschwindet. Möchte ich tiefer fischen, größere Distanzen erreichen oder habe ich Wind, kann ein höheres Gewicht sinnvoll werden.

    Die Form wiederum verändert das gesamte Reizbild. Wasserverdrängung, Silhouette, Flanken, Reflexion und die Geschwindigkeit, bei der ein Spoon sauber arbeitet, hängen unmittelbar damit zusammen. Wenn ich diese Dinge verstehe, wird aus dem berühmten „bunten Blech“ plötzlich ein ziemlich präzises Werkzeug.

    Und genau deshalb betrachte ich Spoonangeln als eigene Angeltechnik.

    Für mich beginnt das eigentliche Angeln häufig hinter dem Köder.

    Besonders spannend wird es, wenn eine Forelle meinem Spoon folgt, aber nicht zupackt. Früher hätte ich mich darüber wahrscheinlich einfach geärgert. Heute interessiert mich ein solcher Nachläufer fast genauso sehr wie ein Biss, denn der Fisch hat mir bereits eine ganze Menge verraten.

    Wenn eine Forelle mehrere Meter hinter meinem Köder herkommt, kann der Spoon schließlich nicht vollkommen uninteressant gewesen sein. Irgendetwas hat den Fisch dazu gebracht, Energie aufzuwenden und den Köder zu verfolgen. Vielleicht war es die Bewegung, vielleicht die Silhouette, möglicherweise die Geschwindigkeit oder der Kontrast. Trotzdem hat am Ende etwas gefehlt, damit aus Interesse tatsächlich ein Angriff wird.

    Und genau jetzt möchte ich nicht hektisch die Köderbox aufreißen und anfangen, wahllos Farben durchzuwechseln. Ich schaue zunächst darauf, wie der Fisch reagiert hat. Wie groß war der Abstand zum Spoon? Kam er schnell heran? Blieb er über mehrere Meter dahinter? Drehte er früh ab oder folgte er bis unmittelbar vor meine Füße?

    Aus solchen Beobachtungen entsteht für mich die nächste Entscheidung. Vielleicht verändere ich nur die Geschwindigkeit, vielleicht das Gewicht oder die Spoonform. Vielleicht brauche ich einen aggressiveren Lauf, möglicherweise aber auch genau das Gegenteil.

    Und manchmal komme ich zu dem Ergebnis, dass ich gar keinen anderen Spoon brauche.Dann brauche ich einen anderen Ködertyp.

    Dann kommt der Gummiköder ins Spiel.

    Gummi ersetzt den Spoon nicht – es erweitert meine Möglichkeiten.

    Der große Vorteil eines Gummiköders besteht für mich darin, dass ich eine vollkommen andere Präsentation anbieten kann. Ich kann wesentlich langsamer werden, den Köder absinken lassen, ihn über Grund führen, jiggen, zittern lassen oder mit Pausen arbeiten. Je nach Material, Form und Montage kann ein Gummiköder sinken oder auftreiben und dadurch Bereiche des Gewässers sehr intensiv bearbeiten.

    Das ist etwas anderes als Spoonangeln und genau deshalb ergänzt es sich so gut.

    Nehmen wir eine Situation, die vermutlich jeder kennt: Ich bekomme mit meinem Spoon mehrere Nachläufer. Die Forellen zeigen eindeutig Interesse, nehmen den Köder aber nicht. Jetzt beginnt gerne das große Durchprobieren. Erst Gold, dann Pink, anschließend Chartreuse, vielleicht Schwarz und danach irgendeine Farbe, die im Laden so aussah, als hätte jemand einen Textmarker mit einer Weihnachtsbaumkugel gekreuzt.

    Kann funktionieren.

    Muss aber nicht.

    Denn vielleicht war die Farbe überhaupt nicht das Problem.

    Vielleicht möchten die Forellen gerade keinen Köder, der kontinuierlich an ihnen vorbeiläuft. Vielleicht wollen sie etwas Langsameres, vielleicht eine Absinkphase oder einen Köder, der länger in ihrem Sichtbereich bleibt. Wenn ich jetzt auf einen Gummiköder wechsle, verändere ich nicht einfach nur eine Farbe oder eine Kleinigkeit am Reizbild, sondern ich ändere meine komplette Präsentation.

    Nimmt eine Forelle anschließend den Gummiköder, bedeutet das für mich übrigens nicht, dass der Spoon vorher versagt hat. Im Gegenteil: Der Spoon hat mir möglicherweise überhaupt erst gezeigt, dass dort Fische stehen und dass sie grundsätzlich auf einen Köder reagieren. Ich habe lediglich die Information genutzt und anschließend das Werkzeug gewechselt.

    Für mich ist genau das wesentlich interessanter, als zwanzig verschiedene Köder durch das Wasser zu werfen und irgendwann zufällig mit Nummer siebzehn einen Fisch zu fangen.


    Der Spoon ist für mich häufig derjenige, der zunächst einmal Fragen stellt.

    Wenn ich morgens an einen Forellensee komme, weiß ich zunächst nicht besonders viel darüber, was mich an diesem Tag erwartet. Natürlich beobachte ich das Wasser, achte auf Wind, Licht, sichtbare Fische und mögliche Standplätze, aber trotzdem bleiben zunächst viele Fragen offen. Stehen die Forellen hoch, bewegen sie sich durchs Mittelwasser oder halten sie sich tiefer auf? Sind sie aktiv unterwegs oder stehen sie relativ passiv? Reagieren sie auf Geschwindigkeit und deutliche Reize oder muss ich zurückhaltender werden?

    Für diese Phase gefällt mir der Spoon ausgesprochen gut, weil ich damit relativ schnell unterschiedliche Bereiche und Wasserschichten kontrollieren kann. Ich kann Strecke machen, mit verschiedenen Geschwindigkeiten arbeiten und vor allem beobachten, ob ich Reaktionen bekomme. Dabei muss nicht einmal sofort ein Fisch hängen. Schon ein Nachläufer kann mir zeigen, dass ich grundsätzlich auf der richtigen Spur bin.

    Das ist für mich eine der großen Stärken des Spoons: Er kann nicht nur Fische fangen, sondern mir helfen, Fische zu finden und ihre Reaktion zu beurteilen.

    Habe ich dagegen bereits herausgefunden, wo die Forellen stehen und merke, dass sie zwar reagieren, aber nicht konsequent angreifen, verändert sich meine Aufgabe. Jetzt muss ich nicht mehr unbedingt suchen. Jetzt muss ich möglicherweise einen relativ kleinen Bereich viel intensiver bearbeiten, und genau dann kann ein Gummiköder enorme Vorteile haben.

    Deshalb würde ich vereinfacht sagen: Mit dem Spoon kann ich hervorragend suchen und provozieren, mit Gummi kann ich häufig gezielter und langsamer ausarbeiten. Das ist keine in Stein gemeißelte Regel, denn spätestens wenn man beim Forellenangeln eine Regel für unumstößlich erklärt, kommt garantiert irgendeine Forelle vorbei und beweist einem das Gegenteil. Als grundsätzliche Orientierung hilft mir dieser Gedanke aber sehr.


    Natürlich funktioniert das Ganze genauso andersherum.

    Es wäre jetzt ziemlich widersinnig, ausgerechnet in einem Artikel gegen starre Regeln direkt die nächste starre Regel aufzustellen: morgens immer Spoon, danach Gummi. So ist es natürlich nicht gemeint.

    Wenn ich bereits weiß, dass die Forellen tief und relativ stationär stehen, kann der Gummiköder von Anfang an die sinnvollere Entscheidung sein. Warum sollte ich erst eine halbe Stunde lang das Mittelwasser absuchen, wenn mir bereits ziemlich deutlich gezeigt wird, dass dort gerade überhaupt nichts los ist?

    Genauso kann ich mit Gummi anfangen und irgendwann feststellen, dass die Fische aktiver werden. Vielleicht bekomme ich Kontakte, vielleicht sehe ich Bewegung im Wasser oder bemerke, dass die Forellen zunehmend auf schneller geführte Köder reagieren. Dann kann ein Spoon mit seinem Lauf, seiner Reflexion und der Möglichkeit, deutlich mehr Strecke zu machen, plötzlich die bessere Antwort sein.

    Für mich besteht gutes Forellenangeln deshalb nicht darin, sich morgens für eine Köderart zu entscheiden und diese Entscheidung anschließend acht Stunden lang tapfer zu verteidigen. Ich möchte auf das reagieren können, was mir das Gewässer und vor allem die Fische zeigen.


    Woher kommt dann die Behauptung, Spoonangeln sei tot?

    Angelmethoden unterliegen Trends, und das war vermutlich schon immer so. Eine bestimmte Technik wird populär, Hersteller entwickeln neue Produkte, auf YouTube und Social Media tauchen immer mehr Videos dazu auf und natürlich beschäftigen sich anschließend auch mehr Angler damit.

    Gummiköder haben sich beim modernen Forellenangeln enorm entwickelt und bieten heute fantastische Möglichkeiten. Ich halte diese Entwicklung für absolut positiv. Nur kann ich daraus nicht erkennen, warum dadurch ein Spoon plötzlich schlechter fangen sollte.

    Denn bei dieser ganzen Diskussion wird ein Beteiligter gerne vergessen: die Forelle.

    Und die interessiert sich herzlich wenig dafür, welcher Köder gerade besonders modern ist.

    Eine Forelle verfolgt keine Trends und schaut sich vor dem Frühstück vermutlich auch keine Angelvideos auf YouTube an. Sie reagiert auf das, was wir ihr präsentieren: auf Bewegung, Geschwindigkeit, Druck, Silhouette, Reflexion, Kontrast, Farbe, Tiefe und natürlich darauf, wie sich ein Köder in ihrem unmittelbaren Umfeld verhält.

    Wenn ein Spoon in dieser Situation den passenden Reiz erzeugt, wird er Fische fangen. Ob gerade mehr Gummiköder verkauft werden oder irgendein anderer Köder in den sozialen Medien gehypt wird, dürfte der Forelle ziemlich egal sein.


    Vielleicht besitzen wir inzwischen einfach zu viel und wissen zu wenig darüber?

    Das ist für mich ohnehin der viel spannendere Punkt. Wer heute vor einem gut sortierten Regal mit Forellenködern steht, kann einem fast leidtun. Dort hängen unzählige Spoonformen in verschiedenen Gewichten und einer Farbenpracht, gegen die manche Karnevalsveranstaltung ausgesprochen zurückhaltend wirkt. Gleich daneben kommen die Gummiköder in verschiedenen Größen, Formen, Materialien und Farben.

    Und irgendwo davor steht der Angler mit einem Körbchen in der Hand und möchte eigentlich nur wissen: Was davon brauche ich denn nun?

    Genau diese Frage möchte ich in Zukunft viel stärker in den Mittelpunkt stellen.

    Denn meiner Meinung nach brauchen wir nicht unbedingt noch mehr Köder. Wir brauchen vor allem bessere Entscheidungen.

    Ich möchte wissen, warum ich in einer bestimmten Situation eine bestimmte Spoonform auswähle. Ich möchte verstehen, welches Gewicht zu meiner gewünschten Lauftiefe und Geschwindigkeit passt und warum ich bei bestimmten Licht- und Sichtverhältnissen eine bestimmte Farbe bevorzuge. Und genauso möchte ich erkennen können, wann es keinen Sinn mehr ergibt, weitere fünf Spoons durchzuwechseln, weil das Verhalten der Forellen mir längst zeigt, dass eine völlig andere Präsentation sinnvoller wäre.

    Dann wird aus einer Sammlung von Ködern nämlich irgendwann ein System.

    Und genau das ist für mich modernes Forellenangeln.


    Spoon oder Gummi? Ich möchte mich gar nicht entscheiden.

    Deshalb halte ich die Frage, ob Spoon oder Gummiköder besser ist, letztlich für falsch gestellt. Wenn ich ein Gewässer absuchen, unterschiedliche Wasserschichten kontrollieren, Strecke machen und herausfinden möchte, wie aktive Forellen auf Geschwindigkeit, Lauf und Reflexion reagieren, greife ich ausgesprochen gerne zum Spoon. Weiß ich dagegen bereits, wo sich die Fische befinden, möchte das Tempo deutlich reduzieren oder einen bestimmten Bereich sehr intensiv bearbeiten, kann der Gummiköder seine besonderen Stärken ausspielen.

    Manchmal zeigt mir der Spoon den Fisch und der Gummiköder bringt anschließend den Biss. An einem anderen Tag passiert genau das Gegenteil. Und gelegentlich funktioniert weder das eine noch das andere so, wie ich mir das am Frühstückstisch noch wunderschön zurechtgelegt hatte.

    Das ist dann kein Fehler im System.

    Das ist Forellenangeln.

    Genau deshalb möchte ich beide Möglichkeiten haben und genau deshalb halte ich auch nichts von der Behauptung, Spoonangeln sei tot. Der Spoon ist für mich nach wie vor ein hervorragendes Werkzeug, aber eben nicht für jede Situation. Genauso wenig ist der Gummiköder die Antwort auf jede Frage.

    Entscheidend ist nicht, welcher Köder gerade modern ist oder von wem er am lautesten beworben wird. Entscheidend ist, ob ich verstehe, was gerade vor mir im Wasser passiert, und daraus die richtige Entscheidung ableite.

    Und wenn mir am Wasser trotzdem jemand erzählt, Spoonangeln sei tot, darf er das natürlich gerne tun.

    Während wir darüber diskutieren, mache ich einfach noch einen Wurf.

    All times- tight lines

    Euer Klaus

  • Welche Schnur zum Spoonangeln? Mono, Geflecht, Fluorocarbon oder Ester?

    Wenn du mit dem Spoonangeln anfangen möchtest, könnte die Sache eigentlich ziemlich einfach sein.

    Rute, Rolle, Schnur, kleiner Einhänger, Spoon – los geht’s.

    Könnte.

    Denn spätestens bei der Schnur wird es plötzlich kompliziert. Der eine schwört auf Geflecht, der nächste fischt nur Mono und wenn du dich ein bisschen intensiver mit Trout Area beschäftigst, taucht irgendwann auch noch Ester auf.

    Und Fluorocarbon gibt es natürlich ebenfalls.

    Spätestens jetzt fragt man sich:

    Leute, ich will doch eigentlich nur einen kleinen Blechköder durchs Wasser ziehen. Welche Schnur soll ich denn nun nehmen?

    Genau deshalb möchte ich die Sache einmal möglichst einfach auseinandernehmen.

    Denn vorweg: Die eine perfekte Schnur zum Spoonangeln gibt es nicht.

    Mono, Geflecht, Fluorocarbon und Ester haben unterschiedliche Eigenschaften. Und deshalb interessiert mich weniger, welche davon angeblich die „beste“ ist.

    Mich interessiert:

    Was möchte ich damit machen?


    Monofile Schnur – einfach anfangen

    Wenn mich jemand fragt:

    „Ich möchte mit dem Spoonangeln anfangen. Welche Schnur soll ich nehmen?“

    dann würde ich ihm nicht als Erstes einen Vortrag über Schnurmaterialien halten.

    Ich würde wahrscheinlich sagen:

    Nimm eine vernünftige Mono, spul sie auf und geh angeln.

    Warum?

    Weil es funktioniert.

    Du brauchst kein zusätzliches Vorfach, keinen Verbindungsknoten und musst dir zunächst auch keine Gedanken darüber machen, ob PE, Ester oder sonst irgendetwas besser zu deinem 1,4-Gramm-Spoon passt.

    Mono auf die Rolle, Snap anknoten, Spoon einhängen.

    Fertig.

    Und Mono hat beim Forellenangeln noch eine Eigenschaft, die durchaus angenehm sein kann: Sie dehnt sich.

    Eine gehakte Forelle steht ja nun nicht unbedingt brav im Wasser und wartet darauf, dass wir sie zum Kescher führen. Sie schüttelt den Kopf, wechselt die Richtung und springt im schlechtesten Moment aus dem Wasser.

    Die Schnur federt davon einiges ab.

    Natürlich hat genau diese Dehnung auch eine Kehrseite. Was sie beim Drill abfedert, kommt eben auch beim Köderkontakt nicht ganz so direkt bei mir an.


    Wenn ich wissen möchte, was mein kleiner Spoon da draußen gerade veranstaltet, gibt es direktere Möglichkeiten.

    Und damit wären wir beim Geflecht.

    Geflecht – plötzlich wird alles direkter

    Der große Unterschied merkt sich ziemlich einfach:

    Mono dehnt sich deutlich. Geflecht fast nicht.

    Und das spürt man.

    Ich bekomme wesentlich direkter mit, was am anderen Ende meiner Schnur passiert.

    Ein Kontakt am Köder, eine Veränderung im Lauf oder ein vorsichtiger Biss können wesentlich unmittelbarer ankommen.

    Das gefällt mir.

    Aber wie so oft beim Angeln bekommt man einen Vorteil nicht kostenlos.

    Denn wenn die Schnur kaum etwas abfedert, federt sie eben auch im Drill kaum etwas ab. Dann müssen Rute, Rollenbremse und letztlich auch der Angler einen Teil dieser Arbeit übernehmen.

    Das ist für mich aber kein Grund zu sagen:

    „Geflecht ist nur etwas für erfahrene Angler.“

    Das halte ich für Quatsch.

    Auch ein Einsteiger kann problemlos mit Geflecht angeln.

    Jetzt sind wir bei Fluorocarbon.

    Und hier liest man regelmäßig einen Satz, bei dem ich etwas vorsichtig wäre:

    „Fluorocarbon ist im Wasser unsichtbar.“

    Unsichtbar?

    Na ja.

    Wenn es wirklich unsichtbar wäre, hätte ich beim Binden wahrscheinlich ein ganz anderes Problem. 😉

    Richtig ist: Fluorocarbon besitzt optische Eigenschaften, durch die es unter Wasser weniger auffällig sein kann. Außerdem ist es relativ abriebfest und sinkt.

    Beim Spoonangeln interessiert es mich deshalb vor allem als Vorfach vor einer geflochtenen Hauptschnur.

    Der Aufbau ist simpel:

    Geflecht → Fluorocarbon → Snap → Spoon.

    Mehr Hexenwerk steckt zunächst nicht dahinter.

    Das Geflecht liefert mir den direkten Kontakt und das Fluorocarbon bildet das letzte Stück zum Köder.

    Natürlich kann man Fluorocarbon auch anders einsetzen und sogar als Hauptschnur fischen.

    Aber wenn du gerade erst anfängst, musst du daraus noch keine Doktorarbeit machen.

    Momoi Lure Soul PE #0.4 | 3,0 kg | 150 m | Orange

    Momoi Lure Soul PE #0.4 | 3,0 kg | 150 m | Orange | ZECK FISHING

    Merke dir zunächst einfach:

    Geflecht auf der Rolle? Dann ist Fluorocarbon als Vorfach eine sehr interessante Kombination.

    Man sollte nur verstehen, dass sich das gesamte Setup dadurch etwas anders verhält.

    Und ich würde meinen Spoon nicht einfach direkt ans Geflecht hängen.

    Bei mir kommt noch etwas dazwischen.


    Fluorocarbon – das letzte Stück zum Spoon

    Jetzt sind wir bei Fluorocarbon.

    Und hier liest man regelmäßig einen Satz, bei dem ich etwas vorsichtig wäre:

    „Fluorocarbon ist im Wasser unsichtbar.“

    Unsichtbar?

    Na ja.

    Wenn es wirklich unsichtbar wäre, hätte ich beim Binden wahrscheinlich ein ganz anderes Problem. 😉

    Richtig ist: Fluorocarbon besitzt optische Eigenschaften, durch die es unter Wasser weniger auffällig sein kann. Außerdem ist es relativ abriebfest und sinkt.

    Beim Spoonangeln interessiert es mich deshalb vor allem als Vorfach vor einer geflochtenen Hauptschnur.

    Der Aufbau ist simpel:

    Geflecht → Fluorocarbon → Snap → Spoon.

    Mehr Hexenwerk steckt zunächst nicht dahinter.

    Das Geflecht liefert mir den direkten Kontakt und das Fluorocarbon bildet das letzte Stück zum Köder.

    Natürlich kann man Fluorocarbon auch anders einsetzen und sogar als Hauptschnur fischen.

    Momoi Neo FC 0.18 mm | 25 m

    Merke dir zunächst einfach:

    Geflecht auf der Rolle? Dann ist Fluorocarbon als Vorfach eine sehr interessante Kombination.


    Und dann kommt Ester …

    Irgendwann passiert es.

    Du beschäftigst dich etwas intensiver mit Spoonangeln, schaust nach Japan, liest etwas über Trout Area und plötzlich steht da:

    Ester Line.

    Großartig.

    Wir hatten gerade verstanden, was Mono, Geflecht und Fluorocarbon machen – und jetzt brauchen wir offensichtlich noch eine vierte Schnur.

    Aber auch hier gilt:

    Keine Panik.

    Ester ist keine Zauberschnur.

    Und vor allem ist sie nicht die Schnur, die man benutzen muss, sobald man irgendwann „gut genug“ im Spoonangeln geworden ist.

    Ich lese gelegentlich:

    „Ester ist etwas für Profis.“

    Diese Formulierung gefällt mir überhaupt nicht.

    Ester hat schlicht bestimmte Eigenschaften.

    Sie ist sehr dünn, besitzt wenig Dehnung und ermöglicht einen sehr direkten Kontakt zum Köder. Gerade beim Fischen mit sehr leichten Spoons kann das interessant werden.

    Dafür ist sie im Umgang weniger gutmütig als eine klassische Mono. Je nach Schnur, Durchmesser, Spule und Handhabung kann sie beispielsweise schneller von der Rolle springen oder Schnursalat produzieren.

    Wer sie fischt, sollte also wissen, warum er sie fischt.

    Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt:

    Ich würde Ester nicht kaufen, weil Trout-Area-Angler Ester benutzen.

    Ich würde Ester kaufen, wenn ich eine Eigenschaft brauche, die Ester mir bietet.

    Das ist ein gewaltiger Unterschied.

    Bildergebnis für ester schnur

    Also: Welche Schnur soll ich jetzt nehmen?

    Wenn du bis hier gelesen hast und jetzt denkst:

    „Klaus, schön und gut. Sag mir einfach, was ich auf meine Rolle spulen soll.“

    Okay.

    Machen wir es einfach.

    Du fängst gerade mit dem Spoonangeln an?

    Mono.

    Aufspulen, Snap dran und angeln gehen.

    Du möchtest einen sehr direkten Kontakt zu deinem Spoon?

    Geflecht plus Fluorocarbon-Vorfach.

    Du beschäftigst dich intensiv mit sehr leichten Spoons und möchtest ein sehr feines, direktes Setup?

    Dann solltest du dir Ester anschauen.

    Und Fluorocarbon?

    Für mich vor allem als Vorfachmaterial, insbesondere in Verbindung mit Geflecht – wobei es durchaus Angler gibt, die FC auch als Hauptschnur einsetzen.

    Das war’s eigentlich schon.


    Mono, PE oder Ester – darüber kann man wunderbar streiten

    Und genau deshalb finde ich diese Diskussionen manchmal so amüsant.

    Der Mono-Angler sagt:

    „Ich brauche kein Geflecht.“

    Der PE-Angler sagt:

    „Mit Mono spüre ich doch überhaupt nichts.“

    Und irgendwann kommt der Trout-Area-Spezialist um die Ecke und erzählt beiden etwas von Ester.

    Am Ende stehen drei Angler am selben Teich und fangen alle ihre Forellen.

    Wer fängt, hat Recht.

    Entscheidend ist für mich deshalb nicht, welche Schnur gerade modern ist.

    Entscheidend ist, ob ich verstehe, was meine Schnur macht und warum ich sie verwende.

    Denn die Schnur arbeitet nicht allein.

    Rute, Rollenbremse, Schnur, Vorfach, Haken und Köder bilden zusammen ein System.

    Eine sehr direkte Schnur an einer sehr harten Rute kann sich vollkommen anders anfühlen als dieselbe Schnur an einer weicheren Rute.

    Deshalb halte ich auch wenig davon, eine Schnur isoliert zur „besten Schnur zum Spoonangeln“ zu erklären.

    Die gibt es nicht.


    Mein Fazit

    Wenn du gerade anfängst, lass dich von dem ganzen Thema nicht verrückt machen.

    Du brauchst nicht drei Rollen mit unterschiedlichen Schnüren, fünf Vorfachstärken und einen japanischen Schnurkatalog auf dem Nachttisch.

    Eine vernünftige Mono reicht völlig aus, um mit dem Spoonangeln zu beginnen.

    Wenn du später merkst, dass du mehr direkten Kontakt möchtest, probiere Geflecht mit Fluorocarbon-Vorfach.

    Und wenn du irgendwann sehr fein und sehr leicht fischst und wissen möchtest, was Ester anders macht:

    Dann probierst du eben Ester.

    Nicht weil du es musst.

    Sondern weil du inzwischen weißt, warum du es ausprobieren möchtest.

    Und genau so sollte es beim Angeln eigentlich immer sein.


    Jetzt interessiert mich eure Meinung

    Bei Schnüren gibt es vermutlich ungefähr so viele Überzeugungen wie Spoonfarben.

    Deshalb schreibt mir:

    Was fischt ihr beim Spoonangeln – Mono, Geflecht, Ester oder Fluorocarbon?

    Und bitte nicht nur den Namen der Schnur.

    Mich interessiert vor allem:

    Warum fischt ihr sie?

    Vielleicht finden wir in den Kommentaren ja tatsächlich die eine perfekte Schnur zum Spoonangeln.

    Ich habe da allerdings so meine Zweifel. 😉

    Wenn euch solche Beiträge gefallen, folgt Forellen-Fieber. Hier machen wir modernes Forellenangeln nicht komplizierter, als es ohnehin schon ist.

    All times, tight lines

    Euer Klaus

  • Sonderbesatz an Forellenseen – Radar:  Aktuelle Meldungen, an welchen Forellenanlagen Sonderbestzmaßnahmen stattfinden.

    Sonderbesatz an Forellenseen – Radar: Aktuelle Meldungen, an welchen Forellenanlagen Sonderbestzmaßnahmen stattfinden.

    Sonderbesatz an Forellenseen -Wer kennt das nicht: Du planst einen Trip an den Forellensee, fährst hin – und das Wasser ist blank. Kaum Bisse, kaum Fische. Nicht weil du schlecht angelst, sondern weil schlicht kein frischer Besatz drin ist.

    Beitrag anzeigen(öffnet in neuem Tab)

    Genau das soll sich ändern.

    Ab sofort veröffentliche ich hier auf Forellen-Fieber jeden Freitag eine neue Rubrik: den Sonderbesatz-Radar. Darin halte ich für euch fest, welche kommerziellen Forellengewässer in der aktuellen Woche frisch besetzt haben – mit Lachsforellen, Tigerforellen, Goldforellen oder klassischen Regenbogenforellen in besonderer Größe oder Menge.

    Was ist ein Sonderbesatz an Forellenseen?

    Ein Sonderbesatz an Forellenseen ist mehr als der reguläre Grundbestand, den ein Angelpark dauerhaft im Wasser hat. Betreiber setzen dabei gezielt größere Mengen oder besondere Fischarten ein – oft vor Wochenenden, Feiertagen oder besonderen Events. Das Ergebnis: deutlich höhere Fangchancen, aktivere Fische und oft Exemplare, die man sonst selten zu Gesicht bekommt.

    Wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen See ist, hat einen entscheidenden Vorteil.

    Warum gibt es diese Infos bisher nicht gesammelt?

    Das ist die berechtigte Frage. Die meisten Betreiber kommunizieren ihre Sonderbesätze ausschließlich auf ihrer eigenen Facebook-Seite oder Website – oft nur einen Tag vorher, manchmal am selben Morgen. Wer nicht zufällig die richtige Seite im Blick hat, verpasst es.

    Genau da setze ich an. Ich recherchiere jede Woche systematisch die Meldungen aus den Gewässern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und fasse sie für euch zusammen – an einem Ort.

    Was euch in dieser Rubrik erwartet

    Hier findet ihr hier auf Forellen-Fieber eine Übersicht mit allen Sonderbesatz an Forellenseen -Meldungen der Woche. Für jedes Gewässer gibt es – soweit bekannt – folgende Infos:

    • Name und Ort des Angelparks
    • Art und Menge des Besatzes
    • Zeitraum (wann lohnt sich der Trip)
    • Direktlink zur Seite des Betreibers
    • Meinen kurzen persönlichen Kommentar, wenn ich etwas Relevantes für euch ergänzen kann

    Wie ihr mitmachen könnt

    Kontakt Ihrseid selbst regelmäßig an kommerziellen Forellenseen unterwegs? Dann habt ihr oft schneller einen Sonderbesatz mitbekommen als ich. Schreibt ihn einfach in die Kommentare – ich nehme ihn in den nächsten Bericht auf.

    Betreiber eines Angelparks, die ihren Sonderbesatz hier regelmäßig veröffentlicht haben möchten, können mich direkt kontaktieren. Die Nennung ist kostenlos.

    Petri Heil – und all times tight lines, Euer Klaus




    Datenübersicht (aus den Flyern gelesen)

    GewässerFischartMenge / GrößeDatumHinweise
    Angelsport & Freizeitpark Limburg-Linter, Am Weiher 4, 65550 Limburg a. d. LahnLachsforellenbis zu 2 kg, doppelter BesatzSa, 05.09.2026, 07:00–16:00 Uhr2 Ruten 50 €; Tag- und Nachtangeln 90 €; XXL Paella ab 18 Uhr für 23,90 €; Tel. 06431 44626
    Angelpark Lafferde (direkt an der B1)Regenbogenforellen„1000er Forellenbesatz“, Fische ca. 400–550 gSa, 05.09.2026 (Saisoneröffnung)Mindestens 35 Angler, sonst wird der Besatz angepasst; Tageskarte 65 € / 2 Ruten, 24-Std-Karte 85 € / 2 Ruten, jede weitere Rute 5 €; Vorreservierung 0157 56173105
    Angel- & Forellenteich Bargfeld-Stegen (Premiumteich)Lachs- und Goldforellen300 Pfund (ca. 150 kg)Sa, 05.09.2026, Besatz ca. 07:00 Uhr; geöffnet 06:00–18:00 Uhr9-jähriges Jubiläum; normale Tagespreise; Platzreservierung tel. oder WhatsApp 0151 64948928
    Angelparadies BurgdorfLachsforellen, Goldforellen, RegenbogenforellenLachsforellen bis über 5 kg, Goldforellen bis über 4 kg, dazu Gold- und Regenbogenforellen in Räuchergrößeab Mi, 02.09.2026 und in den folgenden Wochen; extra große Portion großer Forellen am Wochenende 05./06.09.Tageskarte 50 €, 1–3 Ruten inklusive
  • Forellenteig richtig formen – so bringst du deinen Köder in Rotation

    Forellenteig richtig formen – so bringst du deinen Köder in Rotation

    Teil 1 – Der Propeller

    Forellenteig richtig formen, Paste fängt. Aber nur, wenn sie sich auch bewegt. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du aus zwei Teigkügelchen einen rotierenden Propeller formst – und warum das so entscheidend für deinen Fang ist.


    Warum Form genauso wichtig ist wie Aroma

    Stell deine Frage an Klaus

    Manche Angler unterschätzen das. Sie drücken den Forellenteig irgendwie an den Haken, werfen aus – und wundern sich, warum der Nachbar mehr fängt. Das Geheimnis liegt nicht immer im Aroma. Es liegt in der Bewegung.

    Forellen reagieren auf Rotationsreize extrem stark. Ein Köder, der sich beim Einkurbeln gleichmäßig dreht, wirkt auf die Fische wie ein lebendiges Tier – und triggert den Jagdinstinkt, auch bei wählerischen Exemplaren. Egal ob du am Sbirolino oder hinter der Schlepppose angelst: Wenn sich dein Teig nicht dreht, verschenkst du Bisse.

    Die gute Nachricht: Mit der richtigen Formtechnik bekommst du deinen Forellenteig zuverlässig in Rotation – und das bereits bei sehr langsamem Einkurbeln.

    Ich zeige dir heute die erste und bewährteste Variante: den Propeller.


    Was du brauchst zum Forellenteig richtig formen:

    • Forellenteig in zwei verschiedenen Farben (z.B. schwarz und weiß, oder jede andere Kombination)
    • Einen scharfen Forellenhaken (Größe 4–10, je nach Teigmenge)
    • Etwas Übung – nach zwei, drei Versuchen sitzt die Form

    Schritt für Schritt: Den Propeller formen

    Schritt 1: Zwei Farben zusammenpressen

    Nimm aus jeder Farbe ein gleich großes Kügelchen Forellenteig und presse beide fest zusammen. Wie groß? So, dass du später ein Plättchen von etwa Fingernagel-Größe bekommst – nicht zu groß, nicht zu klein.

    Wichtig: Die beiden Farben sollen eine feste Verbindung eingehen, aber nicht vermischt werden. Jede Farbe bleibt auf ihrer eigenen Hälfte. Die Zweifarbigkeit ist kein rein optisches Detail – der Farbkontrast erzeugt zusätzlichen visuellen Reiz im Wasser und macht den Köder für die Forelle noch attraktiver.


    Schritt 2: Den flachen Tropfen formen

    Aus dem Doppelkügelchen formst du jetzt zwischen Daumen und Zeigefinger einen flachen Tropfen – ein dünnes Plättchen mit leicht zugespitztem Ende. Stell dir eine Mini-Version eines Regentropfens vor, nur eben flach wie eine Münze.

    Auch hier gilt: nicht durchkneten. Die Farbgrenze muss klar erkennbar bleiben. Wenn die Farben anfangen, ineinander zu laufen, hast du zu viel gedrückt. Dann lieber neu anfangen – gemischter Teig verliert den Zweifarbigkeits-Effekt komplett.


    Schritt 3: Den Haken einstechen

    Jetzt kommt der Haken ins Spiel. Du kannst ihn von oben oder seitlich in das Teigplättchen einstechen – beide Varianten funktionieren. Entscheidend ist, dass der Hakenschaft vollständig im Teig sitzt. Wenn er nur halb drin ist, verrutscht der Köder im Wasser und dreht sich nicht mehr sauber.

    Achte beim Einstechen darauf, das Plättchen nicht zu verdrücken. Die Form, die du in Schritt 2 aufgebaut hast, muss erhalten bleiben – sie ist die Grundlage für den Propellereffekt.



    Schritt 4: Die untere Hälfte zur Seite drücken

    Das ist der entscheidende Schritt – und genau der, den viele weglassen.

    Drücke mit dem Daumen oder Zeigefinger die untere Hälfte des Plättchens seitlich weg. Nicht herausreißen, nicht verformen – sondern kontrolliert zur Seite versetzen, sodass das Plättchen eine asymmetrische Form bekommt.

    Diese Asymmetrie ist der Kern des Propeller-Prinzips: Der versetzte untere Teil erzeugt beim Durchziehen im Wasser einen Strömungswiderstand, der den Köder in Rotation bringt. Ohne diesen Schritt dreht sich nichts. Mit ihm dreht sich der Köder zuverlässig – selbst bei minimalem Tempo.

    Das Wegdrücken soll deutlich sein, aber die Grundform des Plättchens muss erhalten bleiben. Klar, aber kontrolliert.


    Schritt 5: Die Spitze ausformen

    Zum Abschluss nimmst du die schmale Seite des Plättchens – also den Teil, der oben den Hakenschenkel umschließt – zwischen die Fingerkuppen und drehst sie leicht ein. Das Ziel ist eine zum Vorfach hin spitz zulaufende Form.

    Diese Zuspitzung hat zwei Funktionen: Erstens sitzt der Köder damit stabiler am Haken. Zweitens verstärkt sie den Rotationsimpuls im Wasser noch einmal spürbar. Ein Schritt, der sich lohnt.


    Fertig: So sieht der Propeller aus

    Das Ergebnis ist ein asymmetrisches, leicht verdrehtes Teigplättchen, das beim Einkurbeln hervorragend rotiert – selbst bei sehr langsamem Tempo. Genau das wollen wir. Die Forelle sieht einen sich drehenden, zweifarbig blinkenden Köder, der nach Futter riecht. Mehr Trigger auf einmal geht kaum.


    Welche Farben funktionieren am besten?

    Kurze Antwort: Das hängt vom Tag ab.

    Ich habe immer mehrere Farbkombinationen dabei. Schwarz/Weiß ist ein Klassiker, funktioniert bei trübem Wasser und wenig Licht sehr gut. Gelb/Rot zündet oft bei sonnigen Bedingungen. Fluo-Farben können an manchen Tagen den Unterschied machen.

    Die Wahrheit ist: Forellen haben manchmal sehr konkrete Vorlieben, die du vorher nicht weißt. Was gestern gebissen hat, zündet heute nicht unbedingt. Deshalb: variieren, beobachten, anpassen. Nimm dir drei, vier Farbkombinationen mit und teste sie durch. Der erste Biss zeigt dir, in welche Richtung du weitermachen sollst.


    Zusammenfassung: Die fünf Schritte auf einen Blick

    1. Zwei Farben zusammenpressen – fest verbinden, nicht vermischen
    2. Flachen Tropfen formen – Farbtrennung beibehalten
    3. Haken einstechen – von oben oder seitlich, Schaft vollständig versenken
    4. Untere Hälfte zur Seite drücken – das erzeugt die Asymmetrie und damit die Rotation
    5. Spitze ausformen – zum Vorfach hin zuspitzen, Hakenschenkel fest umschließen

    Fünf gezielte Handgriffe – und dein Forellenteig dreht sich zuverlässig. Die Reihenfolge und Sorgfalt bei jedem Schritt entscheiden über die Rotationsqualität im Wasser.


    Fazit

    Der Propeller ist die bewährteste Form, die ich kenne, um Forellenteig in Rotation zu versetzen. Er ist einfach herzustellen, funktioniert an verschiedenen Montagen und bringt auch bei langsamer Führung konstante Ergebnisse. Wenn du bisher deinen Teig einfach nur ans Eisen gedrückt hast, probier diese Technik beim nächsten Ausflug aus. Du wirst den Unterschied merken.

    Weitere Formen und Techniken folgen – bleib dran.

    Petri Heil – und all times – tight lines, Euer Klaus

  • Mit oder gegen den Wind angeln– was ist besser am Forellensee?

    Mit oder gegen den Wind angeln– was ist besser am Forellensee?

    Mit oder gegen den Wind angeln – was ist besser am Forellensee?

    Wer regelmäßig am Forellensee steht, kennt das Dilemma: Der Wind bläst, die Wellen rollen, und die Frage ist nicht ob man fischt – sondern wo. Denn Wind ist kein Feind des Angelns. Wind bedeutet Information und ist oft entscheidend für die Strategie des Angeltages. Wer ihn lesen kann, fängt mehr Forellen.


    Was der Wind mit dem Wasser macht

    Wind bewegt Wasser. Das klingt banal, ist aber die Grundlage für alles, was danach kommt. Hier ist die Frage entscheidend: Mit oder gegen den Wind angeln? Sobald Wind über die Wasseroberfläche streicht, entstehen Driftströmungen – Wasserbewegungen, die von der Windseite weg und zur gegenüberliegenden Seite hin verlaufen. Diese Strömungen sind keine Kleinigkeit. Sie verändern die gesamte Nahrungsverteilung im Teich.

    Insekten, Larven, Nymphen, kleine Kleinstkrebse – alles, was an oder knapp unter der Oberfläche treibt, wird vom Wind mitgenommen. Die Nahrung verdriftet. Und die Forellen wissen das. Sie stehen nicht zufällig irgendwo. Sie stehen dort, wo das Futter ankommt.


    Windseite = Aktivität

    Die Windseite – also das Ufer, auf das der Wind zubläst – ist der mit Abstand aktivste Bereich im gesamten Gewässer. Hier akkumuliert sich das Futter. Hier stauen sich Schaumlinien, in denen sich Nahrungspartikel konzentrieren. Und genau hier stehen die Forellen und fressen.

    Wer auf der Windseite fischt, fischt gegen den Wind – und das bedeutet: Der Wurf geht gegen dem Wind, die Bombarde oder der Sbirolino fliegt nicht so weit und auch die die Schnur müssen wir entsprechend auf Spannung bringen. Die Montage driftet allerdings dann natürlich Richtung Ufer – genau so, wie es eine treibende Beute tun würde. Alles stimmt.

    Ein weiterer Vorteil, der oft vergessen wird: Wellen schlagen gegen das windexponierte Ufer. Dabei wird Luft ins Wasser eingemischt. Der Sauerstoffgehalt steigt direkt in der Wellenzone. Mehr Sauerstoff bedeutet aktivere Forellen, höherer Stoffwechsel, mehr Fressbereitschaft. Die Windseite liefert also gleich drei Vorteile auf einmal: Nahrung, Strömung und Sauerstoff.

    Mit oder gegen den Wind angeln. Forellensee von der Seite – Windseite mit Wellen, Schaum und aktiven Forellen im Vergleich zur ruhigen leeren Leeseite, Ultraleichtangler steht auf der Windseite

    Mehr Sauerstoff durch Wellengang

    Ein weiterer Vorteil, der oft vergessen wird: Wellen schlagen gegen das windexponierte Ufer und mischen dabei Luft ins Wasser. Der Sauerstoffgehalt steigt direkt in der Wellenzone. Mehr Sauerstoff bedeutet aktivere Forellen, höherer Stoffwechsel, mehr Fressbereitschaft.

    Die Leeseite – warum dort oft nichts geht

    Die gegenüberliegende Seite, die Leeseite, ist ruhig. Kein Wellengang, keine Drift, kein Futter. Das Wasser steht. Die Forellen auch – aber sie fressen nicht. In vielen Gewässern ist die Leeseite an windreichen Tagen schlicht tot. Nicht immer, aber oft genug, um sie als erste Option zu streichen. Auch hier entscheidet die Frage: Mit oder gegen den Wind angeln?


    Windschatten gezielt nutzen

    Jetzt kommt das Aber – und das ist entscheidend: Manchmal ist die Windseite zu exponiert. Wenn Böen so stark werden, dass die Leine zurückgepeitscht wird, die Montage unkontrolliert über die Oberfläche rast und ein sauberer Köderführung schlicht unmöglich ist, dann ist der Wind zu viel.

    Genau dann wird der Windschatten zur Taktik. Buchten, Schilfkanten, einzelne Bäume, Ufervorsprünge – all das erzeugt Schutzzonen, in denen sich ruhigeres Wasser bildet. Der entscheidende Punkt ist nicht die ruhige Zone selbst, sondern die Kante zwischen ruhigem und rauem Wasser. Genau dort, an dieser Übergangszone, stehen die Forellen. Sie nutzen den Windschatten als Wartezone und schnappen sich alles, was aus dem bewegten Wasser in die Ruhe hereintreibt.

    Der Sbirolino oder die Bombarde wird entlang dieser Kante geführt – langsam, natürlich, direkt in der Trennlinie. Das ist präzises Angeln, kein Glücksspiel.


    Zu viel Wind – wann es keinen Sinn mehr macht

    Es gibt eine Grenze. Wenn Schaumlinien nicht mehr erkennbar sind, weil das gesamte Wasser in Aufruhr ist, wenn aufgewirbeltes Sediment das Wasser trübt, wenn die Leine keine Chance hat, sauber zu liegen – dann ist der Punkt erreicht, an dem Wind zum Problem wird. Nicht weil die Forellen aufgehört haben zu fressen, sondern weil eine kontrollierte Präsentation des Köders nicht mehr möglich ist. An solchen Tagen lohnt es sich, auf geschütztere Gewässerabschnitte auszuweichen oder den nächsten Tag abzuwarten.


    Fazit: Gegen den Wind – aber mit Verstand

    Die Antwort auf die Frage „mit oder gegen den Wind angeln?“ ist eindeutig: Gegen den Wind. Die Windseite bringt Nahrung, Sauerstoff und aktive Forellen. Wer konsequent die Windseite aufsucht und seine Montage entlang der Schaumlinie führt, hat einen echten taktischen Vorteil.

    Wenn der Wind zu stark wird, wechselt die Strategie: Windschatten suchen, Übergangszonen befischen, Kontrolle über die Montage behalten.

    Wind lesen ist eine Fertigkeit. Wer sie beherrscht, ist am Forellensee klar im Vorteil.


    Petri Heil – und all times – tight lines, Euer Klaus.

  • Wie viele Angler gibt es in Deutschland? Zahlen, Zielgruppen und Marktpotenzial

    Wie viele Angler gibt es in Deutschland? Zahlen, Zielgruppen und Marktpotenzial

    Wie viele Angler gibt es in Deutschland eigentlich?

    Die heutige Frage zum Fragen- Freitag kommt von Noel aus Cannstatt. Vielen Dank für Deine Frage, auch, wenn sie originär nicht nur mit dem Forellenangeln zu tun hat, habe ich sie explizit ausgewählt, um dieses Thema einmal umfassend zu beleuchten. Schließlich stehen wir Angler ja auch immer im kritischen Fokus der Öffentlichkeit und es bedarf Argumente gegenüber unseren Gegnern, um den Nutzen der Angelei für die Gesellschaft insgesamt zu verdeutlichen.


    In Wahrheit ist sie gar nicht so leicht zu beantworten. Je nachdem, welche Quelle man heranzieht, fallen die Zahlen unterschiedlich aus. Das liegt nicht unbedingt daran, dass eine Quelle falsch ist. Meist messen die Studien schlicht unterschiedliche Dinge.

    Es gibt einen Unterschied zwischen:

    • jemandem, der einmal im Jahr im Urlaub angelt,
    • einem Vereinsangler mit gültigem Fischereischein,
    • einem regelmäßig aktiven Freizeitangler,
    • einem Meeresangler,
    • einem Forellensee-Angler,
    • oder einem Spezialisten, der fast jedes Wochenende am Wasser steht.

    Trotzdem zeigen die verfügbaren Zahlen sehr deutlich:

    Angeln ist in Deutschland kein kleines Randhobby. Es ist eine große Freizeitbewegung mit Millionen Menschen, erheblicher Wirtschaftskraft und einer politischen Bedeutung, die oft unterschätzt wird.

    In diesem Artikel schauen wir uns an,

    • wie viele Angler es in Deutschland wirklich gibt,
    • warum die Zahlen unterschiedlich ausfallen,
    • welche Zielgruppen innerhalb der Anglerschaft besonders wichtig sind,
    • welches wirtschaftliche Potenzial dahintersteht,
    • und welche politische Wucht die Angler als Gemeinschaft hätten, wenn sie bei zentralen Themen an einem Strang ziehen würden.

    Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

    KennzahlGrößenordnungEinordnung
    Menschen in Deutschland, die mindestens einmal im Jahr angelnca. 6,64 Mio.breite Anglerbasis
    Anteil an der Bevölkerung ab 14 Jahrenca. 9,4 %fast jeder zehnte Mensch ab 14 Jahren
    Gültige Fischereischeine in Deutschlandca. 1,8 Mio.formell erfasste Angler
    Organisierte Angler in Vereinenca. 950.000Vereins- und Verbandsstruktur
    Angelvereine in Deutschlandca. 8.000starke regionale Verankerung
    Häufig bzw. regelmäßig aktive Anglerca. 1,1 bis 1,22 Mio.besonders aktiver Kern
    Geschätzter ökonomischer Gesamtnutzen der Angelfischereica. 6,4 Mrd. € jährlichwirtschaftliche Relevanz
    Geschätzte Arbeitsplätze durch Angelfischereica. 52.000Handel, Tourismus, Dienstleistungen

    Die Anglerbasis in Deutschland auf einen Blick

    Breite Anglerbasis (mind. 1x/Jahr): 6,64 Mio.
    gültige Fischereischeine : 1,80 Mio.
    häufig/regelmäßig aktive Angler : 1,10–1,22
    organisierte Angler in Vereinen : 0,95 Mio.

    Die wichtigste Erkenntnis daraus:

    Nicht jede Zahl beschreibt dieselbe Art von Angler.

    Wer über Angler in Deutschland spricht, muss also sauber unterscheiden zwischen:

    • breiter Freizeitnutzung,
    • formeller Erfassung über Fischereischeine,
    • organisierter Vereinsstruktur,
    • und dem tatsächlich regelmäßig aktiven Kern.

    Warum die Zahlen je nach Quelle unterschiedlich ausfallen

    Der Deutsche Angelfischerverband weist selbst darauf hin, dass verschiedene Studien unterschiedliche Bewertungsgrundlagen verwenden und deshalb nicht immer direkt vergleichbar sind.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt.

    Einige Zahlen erfassen:

    • Menschen, die mindestens einmal jährlich angeln.

    Andere Zahlen erfassen:

    • Personen mit gültigem Fischereischein.

    Wieder andere Studien erfassen:

    • Menschen, die tatsächlich regelmäßig angeln,
    • bestimmte Gewässertypen,
    • oder das Angelverhalten über Telefonbefragungen und Tagebücher.

    Ein einfaches Beispiel

    Eine Person kann:

    • einen Fischereischein besitzen, aber selten angeln,
    • im Verein sein, aber nur wenige Male im Jahr ans Wasser gehen,
    • nicht im Verein sein und trotzdem regelmäßig am Forellensee oder an kommerziellen Anlagen angeln,
    • nur im Urlaub angeln,
    • oder sehr aktiv sein und viel Zeit, Geld und Wissen in das Hobby investieren.

    Deshalb ist die eigentliche Frage nicht nur:

    „Wie viele Angler gibt es?“

    Sondern auch:

    „Welche Angler meinen wir genau?“


    Die breite Anglerbasis: rund 6,64 Millionen Menschen

    Der DAFV nennt für 2021 rund 6,64 Millionen Menschen in Deutschland, die mindestens einmal im Jahr der Angelfischerei nachgehen. Bezogen auf die Bevölkerung ab 14 Jahren entspricht das etwa 9,4 Prozent.

    Das heißt:

    Fast jeder zehnte Mensch ab 14 Jahren in Deutschland hat im betrachteten Jahr geangelt.

    Das ist eine starke Zahl, weil sie zeigt, dass Angeln gesellschaftlich viel größer ist, als viele glauben.

    AnglertypBeschreibung
    GelegenheitsanglerAngelt nur wenige Male im Jahr
    UrlaubsanglerGreift vor allem im Urlaub oder saisonal zur Angel
    VereinsanglerOrganisiert und oft eng an ein Gewässer gebunden
    Aktive FreizeitanglerIst regelmäßig am Wasser
    SpezialistenZ. B. Karpfen-, Raubfisch-, Forellen- oder Meeresangler

    Die Zahl von 6,64 Millionen ist deshalb vor allem eine gesellschaftliche Gesamtzahl. Sie zeigt die Breite des Themas Angeln. Sie sagt aber noch nicht automatisch, wie viele Angler intensiv aktiv sind.


    Der aktive Kern: rund 1,1 bis 1,22 Millionen häufige Angler

    Für Markt, Wissenstransfer und politische Interessenvertretung ist vor allem die Gruppe der regelmäßig bzw. häufig aktiven Angler wichtig. Hier wird häufig mit Größenordnungen von 1,1 bis 1,22 Millionen Menschen gearbeitet.

    Diese Gruppe ist kleiner als die breite Gesamtbasis, aber besonders bedeutend.

    Warum?

    Weil häufig aktive Angler sich intensiver beschäftigen mit:

    • Fischverhalten,
    • Gewässern,
    • Schonzeiten und Regeln,
    • Montagen,
    • Köderführung,
    • Ausrüstung,
    • Wasserstand und Wetter,
    • Naturschutz,
    • Hege,
    • und Gewässerentwicklung.

    Das sind die Angler, die nicht nur „ab und zu“ angeln, sondern die das Thema wirklich tragen.


    Von der breiten Masse zum harten Kern

    6,64 Mio. → mindestens gelegentlich aktiv
    ↓
    1,80 Mio. → mit gültigem Fischereischein
    ↓
    1,10–1,22 Mio. → häufig bzw. regelmäßig aktiv
    ↓
    0,95 Mio. → organisiert in Vereinen

    Diese Grafik zeigt sehr gut:

    Je enger man die Definition fasst, desto kleiner wird die Gruppe – aber desto relevanter wird sie für Praxis, Markt und Interessenvertretung.


    Vereine: Das Rückgrat vieler Gewässer

    Rund 950.000 Angler sind nach DAFV-Angaben in etwa 8.000 Vereinen organisiert.

    Das ist enorm wichtig, weil Vereine weit mehr leisten als nur Angelkarten auszugeben.

    Viele Vereine übernehmen Aufgaben wie:

    • Gewässerpflege,
    • Besatzmaßnahmen,
    • Hege und Dokumentation,
    • Jugendarbeit,
    • Müllsammelaktionen,
    • Ausbildung,
    • Kontrolle,
    • Naturschutzprojekte,
    • und regionale Interessenvertretung.

    Was Angelvereine in der Praxis leisten

    BereichBedeutung für AnglerBedeutung für Gesellschaft
    Gewässerpflegebessere AngelmöglichkeitenSchutz und Aufwertung von Lebensräumen
    JugendarbeitNachwuchs und WissensvermittlungNaturbildung und Verantwortung
    Hege & Besatzplanvolle BewirtschaftungBeitrag zu Fischbestand und Nutzung
    Müllsammelaktionensaubere Angelplätzedirekte Umweltwirkung
    InteressenvertretungStimme der AnglerBeteiligung an Entscheidungen
    Ausbildung & Regelnmehr Sicherheit und WissenFörderung verantwortungsvoller Nutzung

    Gerade dieser ehrenamtliche Teil der Anglerschaft wird in der Öffentlichkeit häufig unterschätzt.


    Die Thünen-Perspektive: Warum wissenschaftliche Erhebungen wichtig sind

    Das Thünen-Institut arbeitet mit repräsentativen Befragungen und Tagebuchmethoden, um die Angelfischerei in Deutschland genauer zu erfassen. Solche Erhebungen sind wichtig, weil es kein vollständiges deutschlandweites Register aller Anglerinnen und Angler gibt.

    Die wissenschaftliche Perspektive zeigt:

    • Angler sind keine einheitliche Gruppe.
    • Nicht jede Form des Angelns ist gleich.
    • Binnenangler, Meeresangler, Vereinsangler, Forellensee-Angler und Spezialisten unterscheiden sich stark.

    Diese Art der Datenerhebung ist deshalb so wertvoll, weil sie nicht nur nackte Zahlen liefert, sondern hilft zu verstehen:

    • wie viel tatsächlich geangelt wird,
    • wo geangelt wird,
    • wie unterschiedlich die Gruppen sind,
    • und welche soziale und wirtschaftliche Bedeutung die Angelfischerei hat.

    Marktpotenzial: Angeln ist auch ein großer Wirtschaftsfaktor

    Angeln ist nicht nur Naturerlebnis und Freizeit. Angeln ist auch Wirtschaft.

    Der DAFV nennt auf Basis wissenschaftlicher Arbeiten einen geschätzten ökonomischen Gesamtnutzen der Angelfischerei in Deutschland von rund 6,4 Milliarden Euro pro Jahr. Außerdem werden rund 52.000 Arbeitsplätze damit in Verbindung gebracht.

    Tabelle: Bereiche, an denen die Angelfischerei wirtschaftlich hängt

    BereichBeispiele
    AngelgerätehandelRuten, Rollen, Schnüre, Haken, Köder, Zubehör
    TourismusReisen, Unterkünfte, Camping, Gastronomie
    GewässerbewirtschaftungAngelkarten, Besatz, Pflege, Verwaltung
    Mobilität & BooteBoote, Trailer, E-Motoren, Echolote
    DienstleistungenGuides, Anlagenbetreiber, Reparatur, Kurse
    Medien & InhalteMagazine, Bücher, Online-Plattformen, Videos
    VeranstaltungenMessen, Wettbewerbe, Vereinstage, Workshops

    Die wirtschaftliche Wirkungskette der Angelfischerei

    Angler
    ↓
    Ausrüstung, Angelkarten, Reisen, Unterkunft, Verpflegung
    ↓
    Handel, Tourismus, Vereine, Gewässerbewirtschaftung, Dienstleistungen
    ↓
    Arbeitsplätze, Steuern, regionale Wertschöpfung

    Das bedeutet:

    Wenn Angelmöglichkeiten eingeschränkt werden, betrifft das nicht nur einzelne Angler, sondern ganze wirtschaftliche Strukturen.


    Was wir Angler selbst aus diesen Zahlen lernen können

    Diese Zahlen sind nicht nur Statistik. Sie geben auch Anglern selbst eine wichtige Einordnung.

    1. Angler sind viele

    Wer angelt, gehört zu einer großen Gemeinschaft. Das schafft nicht nur Reichweite, sondern auch Verantwortung.

    2. Angler haben wirtschaftliche Relevanz

    Die Ausgaben für Gerät, Reisen, Karten und Dienstleistungen sind alles andere als unbedeutend.

    3. Angler bringen Wissen mit

    Viele Angler beobachten Gewässer über Jahre. Sie sehen Veränderungen oft früher als Menschen, die nur selten in der Natur unterwegs sind.

    4. Angler leisten Ehrenamt

    Vor allem in Vereinen wird viel Arbeit investiert, die öffentlich oft kaum wahrgenommen wird.

    5. Angler brauchen eine stärkere Stimme

    Gerade bei Themen wie Gewässerzugang, Fischbestände, Naturschutz, Bürokratie und Regelungen sollten Angler sachlich und geschlossen auftreten.


    Politische Wucht: Was wäre, wenn alle Angler an einem Strang ziehen würden?

    Jetzt kommt der Punkt, der mir besonders wichtig ist!

    Wenn in Deutschland rund 6,64 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr angeln, dann ist das als gesellschaftliche Gruppe eine enorme Größenordnung.

    Natürlich gilt dabei:

    • Nicht alle dieser Menschen sind wahlberechtigt.
    • Nicht alle Angler denken politisch gleich.
    • Angler sind keine einheitliche Partei.
    • Und nicht alle Angler würden sich an denselben Themen gleichermaßen beteiligen.

    Trotzdem kann man die Größenordnung einmal rechnerisch einordnen.

    Bei der Bundestagswahl 2025 gab es rund 49,65 Millionen gültige Zweitstimmen. Würde man die Zahl von 6,64 Millionen Anglern rein rechnerisch danebenlegen, entspräche das etwa 13,4 Prozent dieser gültigen Zweitstimmen.

    Das ist keine Wahlprognose und keine Wahlempfehlung. Es zeigt nur:

    Wenn Angler bei zentralen Sachthemen geschlossen auftreten würden, wäre das eine Stimme, die politisch kaum zu überhören wäre.

    Tabelle: Theoretische politische Einordnung

    Vergleichswert Bundestagswahl 2025Zweitstimmen / GrößeAnteil / Einordnung
    theoretische breite Anglerbasis6,64 Mio.rechnerisch ca. 13,4 % der gültigen Zweitstimmen 2025
    CDU11,20 Mio.22,6 %
    AfD10,33 Mio.20,8 %
    SPD8,15 Mio.16,4 %
    Bündnis 90/Die Grünen5,76 Mio.11,6 %
    Die Linke4,36 Mio.8,8 %
    CSU2,96 Mio.6,0 %
    BSW2,47 Mio.4,981 %
    FDP2,15 Mio.4,3 %

    Der Vergleich zeigt nicht, dass Angler politisch einheitlich wären. Das sind sie nicht. Er zeigt aber sehr deutlich die Größenordnung.

    Einordnung für den Artikel:
    Die theoretische breite Anglerbasis von 6,64 Mio. Menschen läge rein rechnerisch über dem Zweitstimmenergebnis von Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, CSU, BSW und FDP, aber unter den Ergebnissen von CDU, AfD und SPD. Das zeigt nicht, dass Angler politisch einheitlich wären. Es zeigt aber sehr deutlich, welche Größenordnung die Anglerschaft hätte, wenn sie bei fachlichen Themen wie Gewässerzugang, Fischereirecht, Naturschutz, Kormoranmanagement, Wasserkraft oder Angelverboten geschlossen auftreten würde.

    Die offiziellen Zweitstimmenzahlen stammen von der Bundeswahlleiterin: CDU 11.196.374, AfD 10.328.780, SPD 8.149.124, Grüne 5.762.380, Die Linke 4.356.532, CSU 2.964.028, BSW 2.472.947 und FDP 2.148.757 bei insgesamt 49.649.512 gültigen Zweitstimmen.


    Welche Themen sind für Angler politisch besonders wichtig?

    Wenn Angler gemeinsam auftreten würden, dann vor allem bei fachlichen Themen, die sie direkt betreffen.

    Tabelle: Politische Themen mit hoher Relevanz für Angler

    ThemaWarum es wichtig ist
    Zugang zu GewässernOhne Zugang verliert das Angeln seine Grundlage
    FischereirechtBestimmt, was erlaubt und was verboten ist
    GewässerschutzGrundlage für gesunde Bestände und intakte Lebensräume
    Kormoran, Fischotter, PrädatorenKonflikte zwischen Schutz und Bewirtschaftung
    WasserkraftFischschutz, Durchgängigkeit und Bestände
    GewässerausbauEinfluss auf Laichplätze, Uferzonen und Fischbestand
    BürokratieFischereischeine, Erlaubnisscheine, Verfahren
    Jugend & EhrenamtZukunft der Vereine und der Anglerschaft
    Angelverbotedirekte Einschränkung von Nutzung und Teilhabe

    Gerade hier wäre eine sachliche, gut organisierte und einheitliche Stimme der Angler sehr wirksam.

    Nicht durch Lautstärke. Sondern durch:

    • Fakten,
    • Fachwissen,
    • Organisation,
    • Präsenz,
    • und glaubwürdige Öffentlichkeitsarbeit.

    Warum Angler politisch oft schwächer wirken, als sie eigentlich sind

    Trotz ihrer Größe wirken Angler nach außen oft weniger stark, als sie sein könnten.

    Dafür gibt es mehrere Gründe:

    1. Die Anglerschaft ist sehr vielfältig

    Karpfenangler, Fliegenfischer, Meeresangler, Forellensee-Angler, Raubfischangler und Vereinsangler haben nicht immer dieselben Interessen.

    2. Viele Angler wollen „einfach nur angeln“

    Politische Themen erscheinen oft lästig, obwohl sie das Angeln direkt betreffen.

    3. Die Außendarstellung ist häufig schwach

    Angler werden in der Öffentlichkeit manchmal nur auf Fang, Entnahme oder Konflikte reduziert.

    4. Ehrenamt wird unterschätzt

    Viele profitieren von Vereinen und Verbänden, ohne selbst aktiv zu werden.

    5. Es fehlt oft an gemeinsamer Kommunikation

    Die Anglerschaft erklärt viel zu selten geschlossen, was sie eigentlich leistet.


    Was Angler tun können, um stärker wahrgenommen zu werden

    Angler müssen nicht parteipolitisch auftreten, um politisch Gewicht zu entfalten. Wichtiger ist eine sachliche und gemeinsame Stimme bei Fachthemen.

    Konkrete Ansätze

    • Vereine und Verbände aktiv unterstützen
    • an Beteiligungsverfahren teilnehmen
    • Gewässerprobleme dokumentieren
    • lokal mit Behörden und Politik ins Gespräch gehen
    • Jugendarbeit stärken
    • saubere Angelplätze und verantwortungsvolles Verhalten sichtbar machen
    • Fakten statt Stammtischparolen nutzen
    • andere Naturnutzer respektvoll behandeln
    • erklären, was Angeln für Natur, Gemeinschaft und Gewässerpflege leistet

    Politische Wirkung entsteht nicht nur im Wahllokal.

    Sie entsteht auch durch:

    • Organisation,
    • Verlässlichkeit,
    • Sichtbarkeit,
    • und glaubwürdige Praxis.

    Der eigentliche Mehrwert für Angler

    Was bringt einem Angler dieser ganze Überblick nun praktisch?

    Eine ganze Menge.

    Erstens: Ein besseres Selbstverständnis

    Angler sind keine kleine Randgruppe. Sie sind eine große Gemeinschaft mit gesellschaftlicher Bedeutung.

    Zweitens: Mehr Bewusstsein für Verantwortung

    Wer Teil einer so großen Gruppe ist, prägt auch ihr Bild nach außen.

    Drittens: Mehr Verständnis für die Rolle von Vereinen

    Vereine sind weit mehr als Kartenstellen. Sie sind oft Träger von Gewässerpflege, Jugendarbeit und Interessenvertretung.

    Viertens: Mehr Klarheit über den Angelmarkt

    Die aktive Gruppe der Angler ist kleiner als die breite Gesamtbasis, aber wirtschaftlich und praktisch besonders relevant.

    Fünftens: Ein besseres Verständnis für politische Zusammenhänge

    Viele Themen, die Angler im Alltag betreffen, sind letztlich politische oder verwaltungsbezogene Themen.


    Fazit: Angler sind eine unterschätzte Kraft

    Die verfügbaren Zahlen zeigen sehr deutlich:

    • Rund 6,64 Millionen Menschen angeln in Deutschland mindestens gelegentlich.
    • Rund 1,8 Millionen gültige Fischereischeine zeigen die formell erfasste Basis.
    • Rund 950.000 organisierte Angler in etwa 8.000 Vereinen bilden eine starke Struktur.
    • Der regelmäßig aktive Kern liegt bei etwa 1,1 bis 1,22 Millionen Menschen.
    • Wirtschaftlich steht die Angelfischerei für rund 6,4 Milliarden Euro und etwa 52.000 Arbeitsplätze.

    Das alles führt zu einer klaren Erkenntnis:

    Angler sind nicht nur Freizeitnutzer. Sie sind Naturbeobachter, Ehrenamtliche, Gewässerpfleger, Touristen, Käufer, Wissensvermittler und eine gesellschaftlich relevante Gruppe.

    Wenn diese Gruppe bei zentralen Themen geschlossen, sachlich und verantwortungsvoll auftreten würde, hätte sie politisch und gesellschaftlich ein Gewicht, das weit größer ist, als viele heute wahrnehmen.

    Nicht, weil alle Angler gleich denken.

    Sondern weil sie bei entscheidenden Fragen gemeinsame Interessen haben:

    • gesunde Gewässer,
    • faire und praxistaugliche Regeln,
    • Zugang zur Natur,
    • Schutz der Fischbestände,
    • Anerkennung des Ehrenamts,
    • und eine ehrliche Darstellung des Angelns in der Öffentlichkeit.

    Die Zahlen liefern dafür ein starkes Fundament.

    Die entscheidende Frage ist am Ende nicht nur, wie viele Angler es gibt.

    Die entscheidende Frage ist:

    Was macht die Anglerschaft gemeinsam aus ihrer Größe?


    Quellen

    1. Deutscher Angelfischerverband e. V. – Zahlen und Fakten rund um das Angeln

    URL: https://www.dafv.de/service/zahlen-und-fakten-rund-um-das-angeln

    Verwendete Angaben:

    • 6,64 Mio. Menschen in Deutschland gingen 2021 mindestens einmal jährlich der Angelfischerei nach
    • 9,4 % der Bevölkerung ab 14 Jahren
    • ca. 1,8 Mio. gültige Fischereischeine
    • ca. 950.000 organisierte Angler
    • rund 8.000 Vereine
    • ca. 6,4 Mrd. € ökonomischer Gesamtnutzen
    • ca. 52.000 Arbeitsplätze
    • Hinweis, dass verschiedene Studien unterschiedliche Bewertungsgrundlagen nutzen

    2. Jahresbericht zur Deutschen Binnenfischerei und Binnenaquakultur 2024

    URL: https://www.portal-fischerei.de/fileadmin/SITE_MASTER/content/Binnenfischerei_Jahresberichte/Jahresbericht_Binnenfischerei_Berichtsjahr_2024_final.pdf

    Verwendete Angaben:

    • Einordnung zu Fischereischeinen und organisierten Anglern
    • Hinweis auf unterschiedliche Datengrundlagen
    • Größenordnungen zur Angelfischerei 2024

    3. Thünen-Institut – Angeln in Deutschland

    URL: https://www.thuenen.de/de/fachinstitute/ostseefischerei/arbeitsbereiche/forschung/deutsches-meeresangelprogramm/angeln-in-deutschland

    Verwendete Angaben:

    • Beschreibung der Erhebungsmethoden
    • Zielsetzung der Studien
    • Hinweis, dass es kein vollständiges Register aller Angler gibt
    • wissenschaftliche Einordnung der sozialen und ökonomischen Bedeutung

    4. Bundeswahlleiterin – Bundestagswahl 2025, endgültiges Ergebnis

    URL: https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99.html

    Verwendete Angaben:

    • 49.649.512 gültige Zweitstimmen
    • Vergleichswerte einzelner Parteien zur rechnerischen Einordnung der Größe der Anglerschaft

    5. Statista / Marktangaben zur Angelhäufigkeit

    Verwendete Einordnung:

    • ca. 1,22 Mio. Menschen, die regelmäßig bzw. häufig angeln
    • ca. 5,75 Mio. Menschen, die gelegentlich angeln

    Hinweis: Diese Statista-Werte sind öffentlich oft nur eingeschränkt zugänglich und sollten deshalb eher als Markt- und Planungsgröße verstanden werden, nicht als amtliche Vollerhebung.

  • Durchlaufblinker auf Forelle richtig fischen

    Durchlaufblinker auf Forelle richtig fischen

    Durchlaufblinker auf Forelle

    Schlanke Blinker für dicke Forellen – die unterschätzte Geheimwaffe

    Die heutige Frage zum Fragen- Freitag kommt aus Burgwedel bei Hannover. Mark hat in dieser Region Forellenseen mit 4 ha und mehr vor der Tür und möchte diese gern mit Durchlaufblinker (Inlinern) befischen. Er fragt, was er für diese Art des Angelns für ein Set- Up benötigt und wie er diese Köder richtig fischt.


    Lieber Mark, vielen Dank für Deine Frage. Ich habe, passend zu diesem Thema, über den Troutwerk ParaLAXX sogar einen Fachartikel geschrieben –
    ‚Schlanke Blinker für dicke Forellen‘.

    Und genau darum geht’s heute.

    Wenn ich ehrlich bin:
    Wer einmal verstanden hat, wie man Durchlaufblinker auf Forelle richtig fischt, der will eigentlich nichts anderes mehr.

    Praesten, Bloody Onliner, Trout Tracker oder der ParaLAXX – das sind keine „normalen“ Blinker. Das sind echte Fangmaschinen.
    Und vor allem: Sie fangen nicht nur viele Forellen… sondern auffällig oft die richtig guten.


    Was sind Durchlaufblinker auf Forelle und warum sind sie so effektiv?

    Der größte Unterschied zu klassischen Spoons liegt im Detail – und genau das macht den Unterschied.

    Durchlaufblinker wie hier der ParaLAXX von Troutwerk

    • laufen deutlich ruhiger
    • sinken kontrollierter ab

    Und das Entscheidende:
    Sie wirken im Wasser einfach natürlicher und lassen dich deutlich weiter werfen. So erreichst Du oft die Fische, die den Uferanglern verwehrt bleiben.

    Während viele Spoons eher aggressiv spielen, gleitet ein Durchlaufblinker fast schon elegant durchs Wasser.
    Gerade vorsichtige Forellen lassen sich davon deutlich leichter überzeugen.


    Warum fängst du damit mehr große Forellen?

    Jetzt wird’s spannend.

    Große Forellen ticken anders als kleine.
    Sie sind vorsichtiger, stehen oft weiter draußen und lassen sich nicht so leicht täuschen.

    Und genau hier spielt der Durchlaufblinker seine Stärken aus:

    • Du erreichst größere Distanzen
    • Du präsentierst den Köder unauffälliger
    • Du kannst extrem langsam fischen

    Das Ergebnis:
    Weniger kleine „Zupfer“ – dafür mehr richtig gute Fische.


    Die richtige Ausrüstung für Durchlaufblinker auf Forelle

    Die perfekte Rute

    Hier brauchst du kein Hexenwerk, aber die Rute sollte passen.

    Optimal sind Spinnruten mit folgenden Längen

    • 2,10 m bis 2,40 m für die meisten Situationen
    • bis 2,60 m bei großen Seen und viel Distanz

    Eine etwas längere Rute gibt dir einfach mehr Kontrolle – und ein paar Meter mehr Wurfweite schaden nie.


    Schnur und Vorfach

    Ich fische gern:

    Beim Vorfach hat sich bewährt:
    – 80 bis 120 cm

    In sehr klarem Wasser darf es auch ruhig etwas länger sein.


    Die richtige Montage

    Die Montage ist simpel – aber extrem wichtig.

    • Blinker läuft frei auf der Schnur
    • kleine Perle als Knotenschutz
    • Einzelhaken am Ende

    Wichtig:
    Alles sollte sauber aufgebaut sein – hier entscheidet oft das Detail.


    Der größte Vorteil: Weniger Aussteiger

    Das ist ein Punkt, den viele unterschätzen.

    Beim klassischen Blinker hast du immer eine Hebelwirkung im Drill.
    Der Fisch kann den Köder nutzen, um sich zu befreien.

    Beim Durchlaufblinker auf Forelle passiert genau das nicht.

    Der Blinker läuft frei auf der Schnur –
    und im Drill hängt nur noch der Haken im Maul.

    Das Ergebnis:
    – Deutlich weniger Aussteiger
    – Mehr Fische im Kescher


    Die richtige Köderführung (entscheidend!)

    Jetzt kommt der wichtigste Teil überhaupt.

    Langsam einkurbeln

    Wenn du denkst, du kurbelst langsam…
    kurbel noch langsamer.

    Durchlaufblinker leben von ruhiger Führung.


    Stop & Go Technik

    Mein absoluter Favorit.

    • einkurbeln
    • stoppen
    • absinken lassen

    Die meisten Bisse kommen genau in dieser Absinkphase.


    Zupfen & Absinken lassen

    Kleine Impulse mit der Rutenspitze bringen zusätzlich Leben rein.

    Aber auch hier gilt:
    – Weniger ist mehr.


    Gewichte richtig einsetzen

    Ich fische am liebsten drei Gewichtsklassen:

    • 4,5 g – 5 g → flach, vorsichtig, nah am Ufer,
      langsamer, finesse, lange Pausen
    • 7 g → der Allrounder, variabel führen
    • 10 g → Distanz, Tiefe, große Seen, mehr Druck, aktiver führen

    Damit bist du für fast jede Situation perfekt aufgestellt.


    Die größten Fehler beim Durchlaufblinker auf Forelle

    ❌ zu schnell geführt
    ❌ keine Pausen
    ❌ zu kurze Ruten bei Distanz
    ❌ falsche Reaktion bei Nachläufern

    Klassiker:

    Forelle folgt → Angler wird schneller

    Genau das ist falsch.

    Gerade Nachläufer sind Gold wert.
    Hier heißt es: Ruhe bewahren, Tempo rausnehmen – und den Fisch zum Biss reizen.


    Fazit: Warum Durchlaufblinker auf Forelle so brutal effektiv sind

    Durchlaufblinker sind kein Hype.
    Sie sind einfach logisch.

    • natürliche Präsentation
    • weniger Misstrauen bei großen Forellen
    • deutlich weniger Aussteiger

    Wenn du sie richtig einsetzt, wirst du merken:
    Deine Fangquote verändert sich spürbar.

    Und genau das ist es doch, was wir alle wollen.


    Häufige Fragen zum Durchlaufblinker auf Forelle

    Wie führt man einen Durchlaufblinker richtig?

    Durchlaufblinker werden langsam geführt. Besonders effektiv ist die Stop-and-Go-Technik, bei der der Köder immer wieder absinkt. Die meisten Bisse erfolgen genau in dieser Absinkphase.


    Welche Rute eignet sich für Durchlaufblinker auf Forelle?

    Ideal sind Ruten zwischen 2,10 m und 2,40 m mit einem Wurfgewicht von 3–12 g. An großen Seen sind auch längere Ruten bis 2,60 m sinnvoll.


    Warum gibt es weniger Aussteiger beim Durchlaufblinker?

    Da der Blinker frei auf der Schnur läuft, hat der Fisch im Drill keinen Hebel. Dadurch sitzt nur der Haken im Maul, was die Aussteigerquote deutlich reduziert.


    Welche Vorfachlänge ist optimal?

    Ein Fluorocarbon-Vorfach zwischen 80 und 120 cm ist ideal. In klarem Wasser kann es auch länger gewählt werden.


    Wann funktionieren Durchlaufblinker auf Forelle am besten?

    Besonders effektiv sind sie bei vorsichtigen Forellen, klarem Wasser und wenn Fische weiter draußen stehen.

    Ich hoffe, Euch hat dieser Artikel gefallen. Das komplette Video hierzu findet Ihr auf meinem YouTube- Kanal „Forellen-Fieber“.

    Bis zum nächsten Mal und

    all times- tight lines

    Euer Klaus