Wasserkraft und Fische in Deutschland sind ein Thema, das aktuell für viele Angler immer wichtiger wird.
Angler sind keine „Mörder“ – warum wir endlich über die wirklichen Gefahren für unsere Fische sprechen müssen.
Wer heute öffentlich über Angeln spricht, stößt immer häufiger auf eine sehr emotionale Kritik.
Angler werden in sozialen Netzwerken nicht selten als „Tierquäler“ oder sogar als „Mörder“ bezeichnet.
Wenn man sich allerdings ernsthaft mit dem Zustand unserer Flüsse und Fischbestände beschäftigt, wird schnell klar:
Die größten Gefahren für viele Fischarten entstehen durch massive Veränderungen unserer Gewässer.
Und genau darüber müssen wir dringend sprechen.
Wie viele Angler gibt es eigentlich in Deutschland?
In Diskussionen taucht häufig eine Zahl auf:
3,3 Millionen Angler in Deutschland.
Diese Zahl stammt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung von Arlinghaus et al. (2004) zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Angelfischerei. Sie beschreibt vor allem die Zahl regelmäßig aktiver Angler.
Neuere Bevölkerungsumfragen zeigen jedoch ein deutlich größeres Bild.
Erhebungen wie die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zeigen, dass in Deutschland heute
über 6 Millionen Menschen zumindest gelegentlich angeln gehen.
Damit gehört Angeln zu den größten Natur-Freizeitaktivitäten Deutschlands.
Diese Zahl zeigt auch:
Angler sind keine kleine Randgruppe.
Sie sind ein relevanter Teil der Gesellschaft.
Angler sind häufig die größten Gewässerschützer
Wer regelmäßig angelt, weiß:
Ohne gesunde Gewässer gibt es keine Fische.
Deshalb engagieren sich Angler seit Jahrzehnten in Bereichen wie
- Gewässerpflege
- Renaturierungsprojekten
- Fischbesatz
- Monitoring von Fischbeständen.
Viele Flüsse und Seen würden heute vermutlich deutlich schlechter dastehen, wenn es diese ehrenamtliche Arbeit nicht gäbe.
Trotzdem geraten Angler immer wieder in die Kritik – oft von Menschen, die selbst kaum Kontakt zu unseren Gewässern haben.
Eine der größten Gefahren für Fische: Wasserkraftwerke
Während über Fanglimits oder Schonzeiten intensiv diskutiert wird, wird ein anderer Faktor häufig deutlich weniger beachtet.
Wasserkraftwerke.
In Deutschland existieren heute rund
7.300 Wasserkraftanlagen.
Viele davon befinden sich genau in den Gewässern, in denen Forellen, Äschen oder andere Wanderfische leben.
Was passiert mit Fischen in Turbinen?
Wenn Fische durch eine Turbine schwimmen, können mehrere Faktoren tödlich wirken:
- mechanische Verletzungen durch Turbinenschaufeln
- starke Druckunterschiede
- extreme Strömungen
- Desorientierung.
Untersuchungen zeigen, dass bei einer Turbinenpassage häufig
10 bis 30 Prozent der Fische sterben.
Bei empfindlichen Arten oder großen Turbinen können die Verluste sogar deutlich höher liegen.
Besonders dramatisch: der Europäische Aal
Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Europäische Aal.
Beim Abwandern zum Meer müssen Aale häufig mehrere Wasserkraftwerke passieren.
Studien zeigen, dass die Mortalitätsraten pro Turbinenpassage teilweise
zwischen 40 und 100 Prozent liegen können.
Das ist einer der Hauptgründe, warum der Europäische Aal heute als stark gefährdete Art gilt.
Flüsse mit besonders vielen Wasserkraftanlagen
Diese Flüsse sind besonders stark betroffen:
Rhein
Der Rhein gehört zu den am stärksten verbauten Flüssen Europas.
Große Wasserkraftwerke befinden sich unter anderem bei:
- Iffezheim
- Gambsheim
- Rheinfelden
- Birsfelden
Sie bilden wichtige Hindernisse für Wanderfische wie:
Lachs
Meerforelle
Aal
Donau
Die Donau ist einer der größten Wasserkraft-Flüsse Europas.
In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche große Anlagen, zum Beispiel bei:
- Jochenstein
- Kachlet
- Aschach
- Ybbs-Persenbeug
Die Donau ist deshalb stark fragmentiert.
Main
Der Main ist durch eine Kette von Staustufen geprägt.
Diese wurden ursprünglich für die Schifffahrt gebaut, werden heute aber häufig auch zur Energieerzeugung genutzt.
Mosel
Die Mosel besitzt ebenfalls eine lange Reihe von Staustufen mit Wasserkraftwerken.
Sie zählen zu den wichtigsten Wanderhindernissen für Fische in diesem Flusssystem.
Lech und Isar
In Süddeutschland sind besonders betroffen:
- Lech
- Isar
- Inn
Hier existieren zahlreiche Wasserkraftanlagen, viele davon im alpinen Raum.
Gerade dort liegen jedoch auch wichtige Lebensräume für:
Forelle
Äsche
Huchen
Ein oft unterschätztes Problem: kleine Wasserkraftwerke
Viele Menschen denken bei Wasserkraft an große Staudämme.
In Deutschland besteht die große Mehrheit der Anlagen jedoch aus kleinen Wasserkraftwerken.
Sie produzieren oft nur sehr wenig Strom, können aber dennoch:
- Fischwanderungen blockieren
- Sedimenttransport verändern
- Lebensräume fragmentieren.
Viele Kraftwerke – ein großes Problem
Das eigentliche Problem entsteht durch die große Zahl von Anlagen.
Viele Flüsse sind heute durch eine Kette von Staustufen und Wasserkraftwerken unterbrochen.
Für wandernde Fischarten bedeutet das:
Sie müssen mehrere Hindernisse hintereinander überwinden.
Die Verluste summieren sich dadurch erheblich.
Wie groß ist der Nutzen der Wasserkraft?
Trotz dieser ökologischen Auswirkungen trägt Wasserkraft in Deutschland nur etwa
3 bis 4 Prozent zur Stromproduktion bei!
Viele kleine Anlagen produzieren sehr wenig Energie, können aber dennoch erhebliche Auswirkungen auf Flüsse und Fischpopulationen haben.
Warum Angler eine stärkere Stimme brauchen
Wenn über Gewässer, Naturschutz oder Fischbestände diskutiert wird, sollte man sich eine einfache Frage stellen:
Wer kennt unsere Gewässer eigentlich besser als Angler?
Mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland gehen angeln.
Das ist eine enorme Zahl.
Und trotzdem wirkt die Lobby der Angler oft erstaunlich schwach.
Vielleicht liegt das auch daran, dass viele Angler ihre Stimme nicht erheben.
Dabei hätten sie allen Grund dazu.
Denn gesunde Flüsse, funktionierende Fischwanderungen und stabile Fischbestände sind nicht nur ein Anliegen von Anglern – sondern ein wichtiger Teil unseres Naturerbes.
Fazit
Angler pauschal als „Mörder“ zu bezeichnen, verkennt die Realität.
Angeln ist für Millionen Menschen eine Verbindung zur Natur.
Gleichzeitig stehen unsere Flüsse vor großen Herausforderungen.
Wasserkraftwerke, Gewässerverbauungen und andere Eingriffe verändern Lebensräume oft deutlich stärker als die Angelfischerei selbst.
Wenn wir wirklich über den Schutz unserer Fischbestände sprechen wollen, müssen wir deshalb das gesamte Bild betrachten.
Und vielleicht auch eine andere Frage stellen:
Wie schaffen wir es, unsere Flüsse wieder fischfreundlicher zu machen?
Eine offene und ehrliche Diskussion darüber wäre ein guter Anfang.
Wie seht ihr das?
Sind Angler in der öffentlichen Debatte zu Unrecht das Feindbild?
Oder müssten wir als Angler selbst stärker unsere Stimme erheben?
Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare.
Quellen
- Arlinghaus et al. (2004)
- AWA-Studien (Allensbach)
- DAFV – Zahlen & Fakten
- Umweltbundesamt
- Fraunhofer ISE
- ICES / BfG
- EPRI / Larinier / Čada

Schreibe einen Kommentar