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  • Lego-Forellen aus dem Forellenzoo? Warum ich diese Arroganz unter Anglern nicht verstehe

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo? Warum ich diese Arroganz unter Anglern nicht verstehe

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo

    Lego-Forellen aus dem Forellenzoo?

    „Forellenpuff“ kenne ich schon seit Ewigkeiten. „Forellenzoo“ ist mir auch schon das eine oder andere Mal begegnet. Aber vor Kurzem kam noch ein Begriff dazu, den ich tatsächlich noch nicht kannte: Lego-Forellen.

    Ich musste erst einmal lachen, weil das Bild zugegebenermaßen nicht ganz schlecht ist. Morgens fährt der Betreiber mit dem Besatzwagen vor, kippt ein paar Fische ins Wasser, vielleicht noch zwei oder drei große Lachsforellen dazu, und anschließend stehen wir Forellenpuff-Angler am Ufer und sammeln die Dinger nur noch ein. So ungefähr scheint zumindest die Vorstellung mancher Angler auszusehen.

    Wenn es so einfach wäre, hätte ich mir in den vergangenen Jahrzehnten vermutlich eine Menge Gedanken sparen können.

    Was mich an solchen Begriffen allerdings weniger stört als die Haltung, die manchmal dahintersteht. Ein bisschen Spott gehört zum Angeln schließlich dazu, und ich kann über mich selbst durchaus lachen. Problematisch wird es für mich erst dann, wenn aus einem lockeren Spruch plötzlich eine Rangordnung entsteht: Hier der „richtige“ Angler, der irgendwo auf einem riesigen Natursee Barsche, Hechte oder Zander sucht – und dort der Forellensee-Angler, der angeblich nur darauf wartet, dass ihm der nächste Besatzfisch freiwillig in den Kescher springt.

    Und genau da frage ich mich: Warum müssen wir Angler eigentlich immer wieder versuchen, unsere eigene Art zu angeln aufzuwerten, indem wir die eines anderen kleiner machen?


    Am Forellensee kaufe ich keinen Fisch

    Fangen wir vielleicht mit einem der größten Missverständnisse an. Wenn ich morgens an einem kommerziellen Forellensee meine Angelkarte bezahle, kaufe ich keinen Fisch. Ich kaufe Angelzeit an einem bewirtschafteten Gewässer und damit natürlich auch die Aussicht, dass dort ein vernünftiger Fischbestand vorhanden ist.

    Ja, selbstverständlich erhöht das meine Wahrscheinlichkeit, einen Fisch zu fangen. Genau deshalb gehe ich schließlich dorthin. Ich würde mich ziemlich wundern, wenn ein Betreiber morgens 50 Euro kassiert und mir anschließend erklärt, dass in seinem See möglicherweise gar keine Forellen schwimmen.

    Aber eine höhere Fangwahrscheinlichkeit ist eben noch lange keine Fanggarantie.

    Auf meiner Tageskarte steht schließlich nicht: „Herr Illmer, Ihre vier Forellen warten heute zwischen Steg drei und vier. Bitte bis spätestens um 14 Uhr abholen.“

    Schade eigentlich. Das würde einiges vereinfachen.

    Wer regelmäßig an Forellenseen angelt, kennt die Realität ohnehin. Da steht einer und fängt zehn, zwölf oder zwanzig Forellen, während wenige Meter daneben jemand sitzt, der irgendwann anfängt, an seinem Köder, seiner Montage und vermutlich irgendwann auch an seinem gesamten bisherigen Leben zu zweifeln.

    Die Fische sind für beide da.

    Wenn allein der Besatz darüber entscheiden würde, wer erfolgreich ist, müssten am Ende des Tages eigentlich alle Angler ungefähr dasselbe Ergebnis haben. Tun sie aber nicht. Und genau an diesem Punkt beginnt für mich das eigentliche Angeln.


    Besetzt worden sein heißt noch lange nicht, dass sie leicht zu fangen sind

    Natürlich nimmt mir der Forellensee eine Aufgabe teilweise ab: Ich muss nicht erst herausfinden, ob überhaupt Forellen im Gewässer vorhanden sind. An einem 400 Hektar großen Natursee sieht das selbstverständlich anders aus, und wer dort gezielt Barsche, Zander oder Hechte findet, braucht Fähigkeiten, die ich an einem kleinen kommerziellen Forellensee in dieser Form nicht benötige.

    Das kann ich völlig neidlos anerkennen.

    Ich verstehe nur nicht, warum daraus automatisch folgen soll, dass meine Art zu angeln deshalb anspruchslos oder minderwertig sein muss. Die Schwierigkeit liegt schlicht an einer anderen Stelle.

    Am Forellensee weiß ich vielleicht, dass der Fisch da ist. Ich weiß aber noch lange nicht, was ich tun muss, damit er meinen Köder nimmt.

    Ich muss beobachten, ausprobieren, verändern und manchmal auch ziemlich schnell akzeptieren, dass meine ach so brillante Idee gerade überhaupt nicht funktioniert. Mal laufen die Fische auf einen Spoon, mal auf einen Gummiköder, mal geht plötzlich mit einer Bienenmade mehr als mit jedem modernen Kunstköder. Mal wollen sie Tempo, mal interessiert sie genau dieses Tempo überhaupt nicht.

    Und manchmal kann man die Forellen sogar sehen, was einen erfolglosen Angeltag keineswegs angenehmer macht.

    Es gibt nämlich kaum etwas Demütigenderes, als seit zwei Stunden keinen vernünftigen Biss zu bekommen, während die „dummen Lego-Forellen“ vor den eigenen Füßen ihre Runden drehen und der Kollege fünf Meter weiter gerade zum sechsten Mal seinen Kescher ins Wasser hält.

    So viel zum Thema Forellen-Zoo.


    Muss Angeln möglichst schwierig sein, um „ein richtiger Angler“ zu sein?

    Ich glaube, genau hier steckt ein merkwürdiger Denkfehler in manchen Diskussionen. Je größer das Gewässer, je geringer der Fischbestand und je unwahrscheinlicher ein Fang wird, desto anspruchsvoller – und damit irgendwie „echter“ – soll das Angeln sein.

    Wenn wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen, wäre der beste Angler am Ende derjenige, der zwölf Stunden lang auf einem möglichst großen Gewässer überhaupt keinen Fischkontakt bekommt.

    Das erscheint mir als Definition von Können dann doch etwas gewagt.

    Natürlich kann es eine enorme Herausforderung sein, auf einem großen Naturgewässer einen einzelnen Hecht zu finden. Genauso kann es eine Herausforderung sein, an einem kleinen, stark befischten Forellensee herauszufinden, warum die Fische heute jeden Köder ignorieren, obwohl man genau weiß, dass sie da sind.

    Das sind unterschiedliche Aufgaben, die unterschiedliche Fähigkeiten verlangen. Warum daraus unbedingt eine Rangliste entstehen muss, erschließt sich mir nicht.


    Und dann gibt es da noch die Kinder sowie mobil eingeschränkte Menschen

    Dieser Punkt ist mir persönlich fast wichtiger als die ganze Diskussion darüber, welche Angelart angeblich besonders anspruchsvoll ist.

    Ich habe im Laufe der Jahre viele Kinderangeln begleitet und dabei immer wieder erlebt, was ein erster Fisch mit einem Kind macht. Wer einmal daneben gestanden hat, wenn plötzlich zum ersten Mal die Rute krumm wird, weiß genau, was ich meine.

    Da wird aus einem halbwegs interessierten Kind innerhalb von Sekunden ein völlig aufgeregter kleiner Angler. Plötzlich zieht etwas am anderen Ende der Schnur, es wird hektisch gekurbelt, jemand ruft „Nicht so schnell!“, ein anderer „Weiterkurbeln!“, und wahrscheinlich bekommt der Erwachsene daneben mehr Puls als das Kind selbst.

    Dann kommt irgendwann der Fisch in den Kescher.

    Und diese Augen vergisst man nicht.

    Genau deshalb finde ich die Rolle kommerzieller Forellenseen für Kinder, Jugendliche und Einsteiger so wichtig. Natürlich kann ich mit meinem Kind auch an einen riesigen Natursee fahren und vier Stunden auf Hecht angeln. Vielleicht erleben wir dabei einen großartigen Tag, vielleicht passiert aber auch überhaupt nichts.

    Ein erfahrener Angler kann mit so einem Tag wunderbar umgehen. Der hat das Wetter beobachtet, neue Stellen kennengelernt, verschiedene Köder ausprobiert und fährt nach Hause mit dem Gefühl, trotzdem etwas gelernt zu haben.

    Ein Kind, das gerade ausprobiert, ob dieses Angeln überhaupt etwas für es ist, bewertet vier Stunden ohne einen einzigen Kontakt möglicherweise etwas anders.

    Und genau deshalb finde ich es überhaupt nicht verwerflich, die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges am Anfang bewusst zu erhöhen. Ich muss einem Achtjährigen nicht zuerst beweisen, wie schwierig Angeln sein kann. Ich möchte ihm zunächst zeigen, warum dieses Hobby überhaupt so faszinierend ist.

    Manchmal reicht dafür tatsächlich dieser eine Biss, die krumme Rute und der erste selbst gedrillte Fisch.

    Und wenn auf der Heimfahrt dann die Frage kommt: „Wann gehen wir wieder angeln?“, dann ist für mich ziemlich viel richtig gelaufen.

    Zudem geben kommerzielle Forellengewässer mobil eingeschränkten Menschen wie auch mir, die Möglichkeit, unserer wunderbaren Leidenschaft an einigen mir bekannten Anlagen „barrierefrei“ nachgehen zu können. Es gibt Anlagen mit freiem Zugang zum Wasser, Plateaus, teilweise mit Handlauf, eben Plätze, an denen sogar Menschen angeln können, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind und die an den freien Gewässern oft schwerlich Zugang zum Ufer finden.


    Irgendwo muss Begeisterung anfangen

    Wir reden in der Angelszene ständig darüber, dass Nachwuchs fehlt und dass wir Kinder und Jugendliche stärker für unser Hobby begeistern müssen. Gleichzeitig machen wir uns teilweise über genau die Gewässer lustig, an denen viele Einsteiger überhaupt zum ersten Mal einen Fisch fangen.

    Das passt für mich nicht ganz zusammen.

    Nicht jeder wächst in einer Anglerfamilie auf. Nicht jeder besitzt ein Boot, kennt die besten Stellen an einem großen Vereinsgewässer oder hat jemanden an der Seite, der ihm fünf Jahre lang erklärt, wie man dort erfolgreich angelt.

    Ein kommerzieller Forellensee ist vergleichsweise einfach zugänglich, überschaubar und bietet eine realistische Chance auf ein Erfolgserlebnis. Das ist kein Makel, sondern aus meiner Sicht sogar eine seiner größten Stärken.

    Begeisterung muss schließlich irgendwo anfangen.

    Und wenn sie an einem Forellensee anfängt, ist sie deswegen nicht weniger wert.


    Auch an „richtigen“ Angelgewässern wird besetzt

    Besonders amüsant wird die Diskussion für mich immer dann, wenn ausgerechnet der Besatz als Beweis dafür herhalten soll, dass Forellensee-Angeln irgendwie künstlich sei.

    Denn natürlich werden auch an Vereinsgewässern Fische besetzt.

    Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass eine morgens eingesetzte Regenbogenforelle in einem kleinen kommerziellen See mit einem Hecht vergleichbar ist, der irgendwann einmal in ein großes Gewässersystem eingesetzt wurde und dort über Jahre lebt. Besatzdichte, Gewässergröße, Aufenthaltsdauer und Bewirtschaftungsziel unterscheiden sich erheblich.

    Aber dann sollten wir auch genau darüber sprechen.

    Allein die Tatsache, dass ein Fisch irgendwann einmal eingesetzt wurde, kann jedenfalls kaum darüber entscheiden, ob sein Fang sportlich etwas wert ist oder nicht. Sonst müssten wir künftig vor jedem Fang erst einmal den Stammbaum kontrollieren.

    „Entschuldigung, Herr Zander, könnten Sie kurz sagen, ob Ihre Großeltern hier natürlich abgelaicht haben? Sonst darf ich mich nachher vielleicht nicht richtig freuen.“

    Das könnte am Wasser etwas kompliziert werden.


    Forellenseen schaffen zusätzlichen Angelraum

    Ein Aspekt wird in dieser Diskussion außerdem gern übersehen: Kommerzielle Forellenseen schaffen schlicht zusätzliche Möglichkeiten, angeln zu gehen.

    Deutschland hat viele Angler, und die wollen irgendwo ihrem Hobby nachgehen. Jeder, der seinen Samstag an einem kommerziellen Forellensee verbringt, sitzt an diesem Tag eben nicht zusätzlich an einem Vereinssee, Fluss oder Kanal.

    Ich würde daraus keine große wissenschaftliche Behauptung machen und behaupten, Forellenseen würden messbar sämtliche anderen Gewässer entlasten. Aber dass sie zusätzlichen Angelraum schaffen, dürfte schwer zu bestreiten sein.

    Und gerade in dicht besiedelten Regionen finde ich das alles andere als unwichtig.


    Der belächelte Forellensee ist nebenbei ein ziemlich großer Markt

    Wer Forellensee-Angeln gern als kleine sonderbare Nische abtut, sollte einmal durch einen gut sortierten Angelladen gehen und sich anschauen, wie viel Platz dieses angeblich unbedeutende Hobby dort inzwischen einnimmt.

    Da hängen Spoons in unzähligen Formen, Gewichten und Farben. Daneben liegen Gummiköder, Haken, Sbirolinos, Tremarella-Zubehör, Forellenposen, Spezialrollen, Schnüre, Kescher, Taschen, Rutenständer und komplette Rutenserien, die ausschließlich für modernes Forellenangeln oder Trout Area entwickelt wurden.

    Und diese Produkte liegen dort nicht, weil die Hersteller ihre Verpackungen so hübsch finden.

    Sie werden verkauft.

    Hinter dem kommerziellen Forellenangeln hängt inzwischen eine komplette wirtschaftliche Kette. Da sind zunächst Fischzüchter und Transporteure, dann die Betreiber der Anlagen mit Personal, Technik, Futter, Energie und Infrastruktur. Danach kommen Hersteller, Großhändler, Fachgeschäfte und Onlineshops, und inzwischen verdienen natürlich auch Medien, Veranstalter und Content-Produzenten an diesem Bereich.

    Mich würde tatsächlich interessieren, welchen Anteil Forellentackle heute am deutschen Angelgerätemarkt besitzt.

    Eine belastbare Zahl dazu kenne ich nicht, und ich werde hier auch keine erfinden. Aber wenn große internationale Hersteller komplette Produktlinien ausschließlich für das Forellenangeln entwickeln, kann dieser Markt so bedeutungslos kaum sein.

    Kein Unternehmen entwickelt über Jahre Ruten, Rollen, Köder, Schnüre und Zubehör für eine Zielgruppe, die wirtschaftlich nicht existiert.

    Vielleicht ist der belächelte „Forellenzoo“ also größer, als manche denken.


    Und genau deshalb finde ich die Überheblichkeit so merkwürdig

    Vor allem innerhalb der Angelbranche sollten wir uns eigentlich zweimal überlegen, ob wir bestimmte Formen unseres Hobbys kleinreden.

    Denn letztlich leben wir alle davon, dass Menschen angeln wollen. Hersteller brauchen Kunden, Händler brauchen Kunden, Gewässerbetreiber brauchen Gäste und Vereine brauchen neue Mitglieder.

    Ein Kind, das heute an einem Forellensee seinen ersten Fisch fängt, kann in ein paar Jahren begeisterter Raubfischangler sein. Oder Karpfenangler. Oder Fliegenfischer. Oder eben weiterhin Forellenangler.

    Vielleicht kauft es irgendwann die erste hochwertige Rute, später die zweite und dann irgendwann viel zu viele Köder, von denen selbstverständlich jeder einzelne unbedingt notwendig war.

    Spätestens dann wissen wir: Der Nachwuchs ist endgültig im Hobby angekommen.

    Warum sollten wir also ausgerechnet den Einstieg lächerlich machen, von dem unser Hobby und letztlich auch die gesamte Branche lebt?


    Vielleicht nehmen wir unsere eigenen Schubladen einfach zu wichtig

    Ich glaube ohnehin, dass hinter vielen dieser Diskussionen etwas ziemlich Menschliches steckt.

    Irgendwann sagen wir nicht mehr: „Ich angle gern auf Barsch“, sondern: „Ich bin Barschangler.“

    Der andere ist Fliegenfischer, Karpfenangler, Meeresangler, Trout-Area-Angler oder klassischer Forellensee-Angler. Und sobald wir uns selbst über eine Gruppe definieren, entsteht erstaunlich schnell die Versuchung, diese Gruppe ein kleines bisschen höher einzuordnen als die andere.

    Dabei stehen wir am Ende alle irgendwo mit einer Angelrute am Wasser und versuchen, einen Fisch davon zu überzeugen, einen Köder ins Maul zu nehmen.

    So wahnsinnig unterschiedlich sind wir vielleicht doch nicht.

    Ich muss Barschangeln nicht kleiner machen, damit Forellenangeln für mich interessant bleibt. Ich kann einen guten Hechtangler bewundern, ohne deshalb meine eigene Angelei für minderwertig zu halten. Ich kann anerkennen, dass ein Fliegenfischer Fähigkeiten besitzt, bei denen ich vermutlich nach zehn Minuten den nächstgelegenen Baum dekoriert hätte, und trotzdem weiterhin mit Freude an meinen Forellensee fahren.

    Respekt funktioniert schließlich in beide Richtungen.


    Wer fängt, hat Recht

    Ich sage gern: „Wer fängt, hat Recht.“

    Damit meine ich nicht, dass derjenige mit den meisten Fischen automatisch der beste Angler am Wasser ist. Gemeint ist etwas anderes: Der Fisch interessiert sich herzlich wenig für unsere Ideologien.

    Die Forelle weiß nicht, ob ich Trout Area betreibe, Tremarella fische oder einen klassischen Sbirolino montiert habe. Sie kennt keine Diskussion darüber, welche Methode moderner, anspruchsvoller oder sportlich wertvoller ist. Sie weiß auch nicht, ob mein Köder aus Japan kommt oder aus einer Grabbelkiste im Angelladen.

    Sie reagiert darauf.

    Oder eben nicht.

    Und manchmal denke ich, dass der Fisch damit wesentlich entspannter umgeht als wir Angler.


    Dann nennt sie eben Lego-Forellen

    Deshalb werde ich vermutlich auch weiterhin über „Lego-Forellen“ lachen können. Von mir aus nennt den See Forellenzoo, Forellenpuff oder was euch sonst noch einfällt.

    Ich weiß ziemlich genau, warum ich dort angle.

    Mich fasziniert diese Angelei gerade deshalb, weil sie trotz der vermeintlich einfachen Voraussetzungen unglaublich vielseitig sein kann. Ich mag diese Momente, in denen ich glaube, die Lösung gefunden zu haben, und die Forellen mir fünf Minuten später sehr deutlich zeigen, was sie davon halten.

    Und ich mag es besonders, wenn jemand am Wasser seinen ersten Fisch fängt und plötzlich versteht, warum wir uns seit Jahren freiwillig bei Wind, Regen und viel zu frühen Uhrzeiten an irgendwelche Gewässer stellen.

    Deshalb müssen andere meine Art zu angeln gar nicht toll finden.

    Ich wünsche mir nur ein bisschen weniger von dieser merkwürdigen Vorstellung, dass die eigene Angelart automatisch größer wird, wenn man die eines anderen kleiner macht.

    Denn wenn in einem angeblichen „Forellenzoo“ ein Kind seinen ersten Fisch drillt, ihn anschließend mit strahlenden Augen in den Händen hält und auf der Heimfahrt fragt:

    „Wann gehen wir wieder angeln?“

    dann hat dieser Forellenzoo an diesem Tag vielleicht mehr für die Zukunft unseres Hobbys getan, als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.

    Und das finde ich ziemlich schwer lächerlich zu machen.


    Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

  • Blei vs. Glas beim Forellenangeln – Die richtige Entscheidung am See

    Blei vs. Glas beim Forellenangeln – Die richtige Entscheidung am See

    Bevor Du überhaupt den ersten Wurf machst, solltest Du Dir eine ganz entscheidende Frage stellen: Blei vs. Glas

    Fische ich heute meine Montage mit Blei oder mit Glas (Ghost)?

    Viele unterschätzen diesen Punkt.
    In der Praxis ist es aber oft genau diese Entscheidung, die darüber bestimmt, ob Du fängst – oder leer ausgehst.

    Ich zeige Dir hier aus meiner Erfahrung, wann was wirklich Sinn macht, denn ich fische beides gern. Sowohl solo, als auch als Beschwerung an der Posen- Montage. Doch wann ich welche Beschwerung wähle, das hängt in erster Linie davon ab, wo und in welcher Tiefe sich die Fische aufhalten, bzw. wie klar oder trüb das Wasser ist und auch, ob gerade ein Orkan über den See zieht, oder es recht windstill ist.

    Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Lesen und freue mich, wie immer, über jegliches Feedback und hoffe natürlich, dass Dir dieser Artikel am Wasser weiterhelfen kann. Fragen sind, wie immer, herlich willkommen.


    Glas („Ghost“) – natürlich, unauffällig und oft unterschätzt

    Glas hat im Vergleich zu Blei eine deutlich geringere Dichte.
    Das führt zu zwei entscheidenden Effekten:

    • Beim Wurf nutzt Du das volle Gewicht
    • Im Wasser wirkt die Montage deutlich leichter

    Genau daraus ergeben sich manchmal große Vorteile.


    Vorteile von Glas

    1. Höhere Wurfweite


    Du kannst bei gleicher Pose deutlich mehr Gewicht einsetzen.
    Eine 3 gr-Pose steht perfekt im Wasser, wenn sie mit einem Glaskörper mit einem Gewicht von 5gr. beschwert wurde.

    Ergebnis:
    Du erreichst deutlich größere Distanzen.


    2. Sehr geringe Scheuchwirkung


    Glas ist unter Wasser kaum sichtbar.
    Gerade bei klarem Wasser und vorsichtigen Forellen ist das ein echter Vorteil.


    3. Natürliches Sinkverhalten


    Die Montage sinkt langsamer und „trägt“ im Wasser.
    Das wirkt deutlich natürlicher als ein klassisches Blei.


    4. Ideal für Mittelwasser und Oberfläche


    Wenn die Forellen aktiv sind und nicht am Grund stehen, ist Glas oft die bessere Wahl.


    Nachteile von Glas

    1. Aufsteigen beim Einholen


    Ein entscheidender Punkt aus der Praxis:

    Beim Einkurbeln steigt die Montage nach oben.

    Das bedeutet:
    Du beginnst eventuell auf Tiefe –
    angelst aber nach wenigen Metern über den Fischen hinweg.


    2. Schwierige Tiefenkontrolle


    Gerade bei grundnah stehenden Forellen wird es schwierig, die gewünschte Tiefe konstant zu halten.


    Wann ich Glas einsetze

    • Wenn die Forellen im Mittelwasser oder oberflächennah stehen
    • Wenn die Fische vorsichtig oder unter Druck sind
    • Wenn ich größere Distanzen erreichen möchte

    Blei – präzise, kontrolliert und tief

    Blei hat eine sehr hohe Dichte.
    Und genau das ist sein entscheidender Vorteil:

    Es bleibt auch unter Wasser „schwer“.


    Vorteile von Blei

    1. Schnelles Absinken


    Du kommst sofort auf die gewünschte Tiefe.


    2. Bleibt konstant auf Tiefe


    Auch beim Einholen bleibt die Montage stabil unten.


    3. Hohe Kontrolle


    Du hast jederzeit direkten Kontakt zur Montage und kannst sie sehr präzise führen.


    Nachteile von Blei

    • Höhere Sichtbarkeit im Wasser
    • Etwas unnatürlichere Köderführung
    • Geringere Wurfweite im Vergleich zu Glas

    Wann ich Blei einsetze

    • Wenn die Forellen tief oder direkt am Grund stehen
    • Im Winter oder bei kaltem Wasser
    • Wenn ich maximale Kontrolle über die Tiefe brauche

    Die einfache Entscheidungsregel

    Am Ende lässt sich das Ganze sehr klar zusammenfassen:

    Stehen die Forellen oben oder im Mittelwasser → Glas
    Stehen die Forellen tief oder am Grund → Blei


    Fazit aus der Praxis

    Glas ist kein „feines Spielzeug“, sondern ein hoch effektives Werkzeug –
    vor allem, wenn es um Distanz, Natürlichkeit und vorsichtige Fische geht.

    Blei dagegen ist Dein Werkzeug für Kontrolle, Tiefe und Präzision.

    Wer Glas und Blei richtig einsetzt, hat einen klaren Vorteil am Wasser.


    Schreib gern in die Kommentare, welche Erfahrungen Du gemacht hast und folge gern meinem Kanal. Ich freue mich sehr über jedes Like und jedes Abo.

    Bis zum nächsten Mal
    All times – tight lines
    Euer Klaus

  • Wasserkraft und Fische in Deutschland sind ein Thema, das viele Angler emotional bewegt.

    Wasserkraft und Fische in Deutschland sind ein Thema, das viele Angler emotional bewegt.

    Wasserkraft und Fische in Deutschland sind ein Thema, das aktuell für viele Angler immer wichtiger wird.

    Angler sind keine „Mörder“ – warum wir endlich über die wirklichen Gefahren für unsere Fische sprechen müssen.

    Wer heute öffentlich über Angeln spricht, stößt immer häufiger auf eine sehr emotionale Kritik.
    Angler werden in sozialen Netzwerken nicht selten als „Tierquäler“ oder sogar als „Mörder“ bezeichnet.

    Wenn man sich allerdings ernsthaft mit dem Zustand unserer Flüsse und Fischbestände beschäftigt, wird schnell klar:

    Die größten Gefahren für viele Fischarten entstehen durch massive Veränderungen unserer Gewässer.

    Und genau darüber müssen wir dringend sprechen.


    Wie viele Angler gibt es eigentlich in Deutschland?

    In Diskussionen taucht häufig eine Zahl auf:

    3,3 Millionen Angler in Deutschland.

    Diese Zahl stammt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung von Arlinghaus et al. (2004) zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Angelfischerei. Sie beschreibt vor allem die Zahl regelmäßig aktiver Angler.

    Neuere Bevölkerungsumfragen zeigen jedoch ein deutlich größeres Bild.

    Erhebungen wie die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zeigen, dass in Deutschland heute

    über 6 Millionen Menschen zumindest gelegentlich angeln gehen.

    Damit gehört Angeln zu den größten Natur-Freizeitaktivitäten Deutschlands.

    Diese Zahl zeigt auch:

    Angler sind keine kleine Randgruppe.

    Sie sind ein relevanter Teil der Gesellschaft.


    Angler sind häufig die größten Gewässerschützer

    Wer regelmäßig angelt, weiß:

    Ohne gesunde Gewässer gibt es keine Fische.

    Deshalb engagieren sich Angler seit Jahrzehnten in Bereichen wie

    • Gewässerpflege
    • Renaturierungsprojekten
    • Fischbesatz
    • Monitoring von Fischbeständen.

    Viele Flüsse und Seen würden heute vermutlich deutlich schlechter dastehen, wenn es diese ehrenamtliche Arbeit nicht gäbe.

    Trotzdem geraten Angler immer wieder in die Kritik – oft von Menschen, die selbst kaum Kontakt zu unseren Gewässern haben.


    Eine der größten Gefahren für Fische: Wasserkraftwerke

    Während über Fanglimits oder Schonzeiten intensiv diskutiert wird, wird ein anderer Faktor häufig deutlich weniger beachtet.

    Wasserkraftwerke.

    In Deutschland existieren heute rund

    7.300 Wasserkraftanlagen.

    Viele davon befinden sich genau in den Gewässern, in denen Forellen, Äschen oder andere Wanderfische leben.


    Was passiert mit Fischen in Turbinen?

    Wenn Fische durch eine Turbine schwimmen, können mehrere Faktoren tödlich wirken:

    • mechanische Verletzungen durch Turbinenschaufeln
    • starke Druckunterschiede
    • extreme Strömungen
    • Desorientierung.

    Untersuchungen zeigen, dass bei einer Turbinenpassage häufig

    10 bis 30 Prozent der Fische sterben.

    Bei empfindlichen Arten oder großen Turbinen können die Verluste sogar deutlich höher liegen.


    Besonders dramatisch: der Europäische Aal

    Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Europäische Aal.

    Beim Abwandern zum Meer müssen Aale häufig mehrere Wasserkraftwerke passieren.

    Studien zeigen, dass die Mortalitätsraten pro Turbinenpassage teilweise

    zwischen 40 und 100 Prozent liegen können.

    Das ist einer der Hauptgründe, warum der Europäische Aal heute als stark gefährdete Art gilt.


    Flüsse mit besonders vielen Wasserkraftanlagen

    Diese Flüsse sind besonders stark betroffen:

    Rhein

    Der Rhein gehört zu den am stärksten verbauten Flüssen Europas.

    Große Wasserkraftwerke befinden sich unter anderem bei:

    • Iffezheim
    • Gambsheim
    • Rheinfelden
    • Birsfelden

    Sie bilden wichtige Hindernisse für Wanderfische wie:

    Lachs
    Meerforelle
    Aal


    Donau

    Die Donau ist einer der größten Wasserkraft-Flüsse Europas.

    In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche große Anlagen, zum Beispiel bei:

    • Jochenstein
    • Kachlet
    • Aschach
    • Ybbs-Persenbeug

    Die Donau ist deshalb stark fragmentiert.


    Main

    Der Main ist durch eine Kette von Staustufen geprägt.

    Diese wurden ursprünglich für die Schifffahrt gebaut, werden heute aber häufig auch zur Energieerzeugung genutzt.


    Mosel

    Die Mosel besitzt ebenfalls eine lange Reihe von Staustufen mit Wasserkraftwerken.

    Sie zählen zu den wichtigsten Wanderhindernissen für Fische in diesem Flusssystem.


    Lech und Isar

    In Süddeutschland sind besonders betroffen:

    • Lech
    • Isar
    • Inn

    Hier existieren zahlreiche Wasserkraftanlagen, viele davon im alpinen Raum.

    Gerade dort liegen jedoch auch wichtige Lebensräume für:

    Forelle
    Äsche
    Huchen


    Ein oft unterschätztes Problem: kleine Wasserkraftwerke

    Viele Menschen denken bei Wasserkraft an große Staudämme.

    In Deutschland besteht die große Mehrheit der Anlagen jedoch aus kleinen Wasserkraftwerken.

    Sie produzieren oft nur sehr wenig Strom, können aber dennoch:

    • Fischwanderungen blockieren
    • Sedimenttransport verändern
    • Lebensräume fragmentieren.

    Viele Kraftwerke – ein großes Problem

    Das eigentliche Problem entsteht durch die große Zahl von Anlagen.

    Viele Flüsse sind heute durch eine Kette von Staustufen und Wasserkraftwerken unterbrochen.

    Für wandernde Fischarten bedeutet das:

    Sie müssen mehrere Hindernisse hintereinander überwinden.

    Die Verluste summieren sich dadurch erheblich.


    Wie groß ist der Nutzen der Wasserkraft?

    Trotz dieser ökologischen Auswirkungen trägt Wasserkraft in Deutschland nur etwa

    3 bis 4 Prozent zur Stromproduktion bei!

    Viele kleine Anlagen produzieren sehr wenig Energie, können aber dennoch erhebliche Auswirkungen auf Flüsse und Fischpopulationen haben.


    Warum Angler eine stärkere Stimme brauchen

    Wenn über Gewässer, Naturschutz oder Fischbestände diskutiert wird, sollte man sich eine einfache Frage stellen:

    Wer kennt unsere Gewässer eigentlich besser als Angler?

    Mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland gehen angeln.

    Das ist eine enorme Zahl.

    Und trotzdem wirkt die Lobby der Angler oft erstaunlich schwach.

    Vielleicht liegt das auch daran, dass viele Angler ihre Stimme nicht erheben.

    Dabei hätten sie allen Grund dazu.

    Denn gesunde Flüsse, funktionierende Fischwanderungen und stabile Fischbestände sind nicht nur ein Anliegen von Anglern – sondern ein wichtiger Teil unseres Naturerbes.


    Fazit

    Angler pauschal als „Mörder“ zu bezeichnen, verkennt die Realität.

    Angeln ist für Millionen Menschen eine Verbindung zur Natur.

    Gleichzeitig stehen unsere Flüsse vor großen Herausforderungen.

    Wasserkraftwerke, Gewässerverbauungen und andere Eingriffe verändern Lebensräume oft deutlich stärker als die Angelfischerei selbst.

    Wenn wir wirklich über den Schutz unserer Fischbestände sprechen wollen, müssen wir deshalb das gesamte Bild betrachten.

    Und vielleicht auch eine andere Frage stellen:

    Wie schaffen wir es, unsere Flüsse wieder fischfreundlicher zu machen?

    Eine offene und ehrliche Diskussion darüber wäre ein guter Anfang.


    Wie seht ihr das?

    Sind Angler in der öffentlichen Debatte zu Unrecht das Feindbild?

    Oder müssten wir als Angler selbst stärker unsere Stimme erheben?

    Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare.


    Quellen

    • Arlinghaus et al. (2004)
    • AWA-Studien (Allensbach)
    • DAFV – Zahlen & Fakten
    • Umweltbundesamt
    • Fraunhofer ISE
    • ICES / BfG
    • EPRI / Larinier / Čada